Nach einer einstündigen Schifffahrt legt seine Mannschaft an. Die Truppe schleppt im Dunkeln übermannshohe Installationen von Bord. Mit Tuch umwickelte Gestänge mit Pappmaché-Kuhköpfen sind es, auf denen Fotos von Klaus Kinski und unbekannten Goldsuchern geklebt sind. Schlingensief lässt die Gebilde durch ein kleines Dorf zur Ruine eines ehemaligen Leprakrankenhauses und Gefängnisses tragen.
Hier hat er in den vergangenen zwei Monaten einen Teil der Filmsequenzen auf seinen alten, handaufgezogenen Schwarz-Weiß-Kameras gedreht, die später im Teatro Amazonas zu sehen sind: Männer, in Mönchskutten gekleidet, die in militärischer Formation das unheimliche Gebäude verlassen.
Bei der Premiere der Wagner-Oper sind diese Aufnahmen auf eingezogenen Gazeleinwänden zu sehen, verschnitten mit den Anfangsszenen aus „Die 120 Tage von Sodom“ des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini, einem Film über die Endtage des Faschismus – düster, bedrohlich, unheimlich, verstörend.
So kommt es auch später an bei den Premiere-Besuchern. Doch jetzt im Dunkeln, als Schlingensief die Szenen drehen lässt, wirkt die „Aktion“, eher bemüht als düster: Die jungen Schlingensief-Mitarbeiter stellen die Gestänge mit Kinski-Fotos in den zerfallenen Räumen auf, beleuchten sie mit Magnesiumkerzen, und Schlingensief filmt das Ganze.
Ein paar späte Zecher, die in der Nähe in der Dorfschänke ihren Zuckerrohrschnaps gekippt haben, schauen zu. Doch der Wagner-Sound wird ihnen schnell unheimlich, sie drehen ihre eigene Musik auf, und schwermütige Schnulzen verdrängen das geschmetterte „Südwind, Südwind“ des Steuermanns aus dem Fliegenden Holländer.
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