0 Bewertungen
24.04.2007 

Nach einer einstündigen Schifffahrt legt seine Mannschaft an. Die Truppe schleppt im Dunkeln übermannshohe Installationen von Bord. Mit Tuch umwickelte Gestänge mit Pappmaché-Kuhköpfen sind es, auf denen Fotos von Klaus Kinski und unbekannten Goldsuchern geklebt sind. Schlingensief lässt die Gebilde durch ein kleines Dorf zur Ruine eines ehemaligen Leprakrankenhauses und Gefängnisses tragen.

Hier hat er in den vergangenen zwei Monaten einen Teil der Filmsequenzen auf seinen alten, handaufgezogenen Schwarz-Weiß-Kameras gedreht, die später im Teatro Amazonas zu sehen sind: Männer, in Mönchskutten gekleidet, die in militärischer Formation das unheimliche Gebäude verlassen.

Bei der Premiere der Wagner-Oper sind diese Aufnahmen auf eingezogenen Gazeleinwänden zu sehen, verschnitten mit den Anfangsszenen aus „Die 120 Tage von Sodom“ des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini, einem Film über die Endtage des Faschismus – düster, bedrohlich, unheimlich, verstörend.

So kommt es auch später an bei den Premiere-Besuchern. Doch jetzt im Dunkeln, als Schlingensief die Szenen drehen lässt, wirkt die „Aktion“, eher bemüht als düster: Die jungen Schlingensief-Mitarbeiter stellen die Gestänge mit Kinski-Fotos in den zerfallenen Räumen auf, beleuchten sie mit Magnesiumkerzen, und Schlingensief filmt das Ganze.

Ein paar späte Zecher, die in der Nähe in der Dorfschänke ihren Zuckerrohrschnaps gekippt haben, schauen zu. Doch der Wagner-Sound wird ihnen schnell unheimlich, sie drehen ihre eigene Musik auf, und schwermütige Schnulzen verdrängen das geschmetterte „Südwind, Südwind“ des Steuermanns aus dem Fliegenden Holländer.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: „Ich halte diese Stadt nicht aus“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Zum Saisonende laufen in der Fußball-Bundesliga zahlreiche Verträge von Vereinen mit ihren Hauptsponsoren oder Ausrüstern aus, weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in der Wirtschaftskrise. Das Ma...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt - Themen des Tages