Internationale Studien bescheinigen hiesigen Bildungspolitikern, dass junge Deutsche zu lange in Schule und Universität verweilen und dabei zu häufig zu viel lernen, was sie und damit das Land angeblich nicht zukunftsfähig macht. Darauf reagieren die Politiker mit hektischem Reformaktionismus. An den Gymnasien zeigt er sich durch die Verkürzung der Regelschulzeit bis zum Abitur von 13 auf zwölf Jahre.
Welche Folgen dies für die Bildung der kommenden Schülergenerationen haben wird, lässt sich beispielhaft am Fach Geschichte erläutern. Von den übrig gebliebenen fünf Jahren Schulbildung in der Sekundarstufe I (Klassenstufen 5 bis 9) stehen dem Fach Geschichte an den Gymnasien in Nordrhein-Westfalen in der Regel künftig nur noch drei statt bisher vier Jahre zur Verfügung.
Die Kürzungen sind fatal: Im neuen Kernlehrplan Nordrhein-Westfalens für die Sekundarstufe I sucht man fortan vergeblich nach Friedrich dem Großen. Auch dessen Namensvetter Friedrich Ebert, den ersten gewählten Präsidenten der Deutschen, werden die Heranwachsenden nach dem Willen der NRW-Bildungspolitiker nicht mehr kennenlernen, denn das Entstehen der Weimarer Republik gehört nicht mehr zum historischen Bildungskanon. Der enorme Zeitdruck bedingt außerdem, dass kommende Schülergenerationen auch über die frühe Hochkultur Ägyptens nicht mehr zwingend etwas erfahren werden.
Da die Gesellschaftswissenschaft Geschichte in der Sekundarstufe I nur zweistündig unterrichtet wird, folgt daraus, dass die Schülerinnen und Schüler in den drei Jahren insgesamt nur 240 Stunden Geschichtsunterricht erhalten. Mögliche Unterrichtsausfälle sind darin nicht einkalkuliert. Gleichwohl soll der Geschichtslehrer in dieser kurzen Zeit einen Bogen von der Antike bis zur Gegenwart schlagen.
Eine solche radikale Kürzung von für die Geschichte unseres Landes grundlegenden Eckpfeilern wird unweigerlich zur Folge haben, dass sich der in den letzten Jahren bei den Schülern zu beobachtende Hang zur Oberflächlichkeit gerade in geisteswissenschaftlichen Fächern verstärken wird.
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