In seinem Holzlager stapeln sich wahre Raritäten: 9 500 Jahre alte Mooreiche, Wölkchenahornblöcke, Schlangenholz, das man kaum heben kann. Hölzer mit denen man ganze Autoserien veredeln oder komplette Chalet-Einrichtungen furnieren könnte. Doch Ritter arbeitet, wenn möglich, aus dem ganzen Holz, allein beim Zusägen würde so mancher Feintischler in Tränen ausbrechen.
Ein Modell aus Amboina-Wurzel hängt in der Ausstellung. Das Griffbrett besteht aus Ebenholz, die Frontseite zieren Blumenranken aus Perlmutt, die Rückseite ist 24-Karat-vergoldet. Ein Modell für Durchgedrehte sollte man meinen, aber Ritter beteuert, rund jeder fünfte Kunde würde einen der "Ritter Royals" bestellen, wie er die Einzelstücke nennt, die nicht nur maßgefertigt, sondern auch entsprechend versponnen sind. Manche sind inklusive Hals und Kopfplatte aus einem Stück geschnitzt. Andere gar komplett vergoldet. Es gibt Modelle mit Platinintarsien, mal markieren Diamanten die Bünde, dann wieder ziehen sich Comiczeichnungen über den Korpus. Das teuerste Modell steht derzeit bei einem Juwelier im Wynn-Hotel in Las Vegas zwischen Schmuck von Buccelati und Uhren von Vacheron Constantin. Preis: 250 000 Dollar.
"In den USA betrachten die Menschen Gitarren eher als Kultursymbol", sagt Ritter. Und das Gros seiner Kunden stammt aus Amerika. "Viele sammeln meine Instrumente und stellen sie in die Vitrine." Aber nicht nur. Auch eine Reihe von Profimusikern rockt mit Ritter: Doug Wimbish (u.a. Madonna), Chip Shearin (Christina Aguilera), Phil Lesh von The Dead (ehemals Grateful Dead) oder die deutsche Basslegende Hellmut Hattler. Doch ein Großteil sind auch Kunden, die in ihrer Jugend die Bandkarriere in den Wind geschrieben haben, um Anwalt oder Unternehmer zu werden. Nach der Pensionierung wollen sie es noch mal wissen, treffen sich mit Kumpeln zum Spielen und gönnen sich ein extravagantes Instrument.
"Reich kann man davon nicht werden", sagt der Bassbauer. Bestimmt nicht, wenn man so detailversessen ist wie Ritter. Mittlerweile hat er eigene Tonabnehmer entwickelt, eigene Saiten. Und wenn er eine neue Idee umsetzen will, bearbeitet er bis in die frühen Morgenstunde unschuldige Bretter.
Warum er es trotzdem macht? "Wenn du mit Musik aufgewachsen bist und du hörst eines Tages eines dieser Stücke in einem Konzert; wenn du dann hochschaust und siehst: Der spielt mein Instrument - das ist mit nichts zu bezahlen."
Was kostet die Welt?!
Einfache Bässe kosten bei Jens Ritter schon um 5 000 Euro. Das Gros der Bestellungen liegt jedoch eher bei 8 000 bis 10 000 Euro teuren Instrumenten. Ritter vergoldet auch ganze Instrumente oder fertigt Intarsien aus Perlmutt, Gold oder Platin, sein bislang teuerster Bass kostet rund 170 000 Euro.
Die Wartezeit für ein Instrument liegt etwa bei einem Jahr - viel schneller ist der Bau allerdings auch kaum möglich, da Ritter zwischen den einzelnen Bauphasen die Hölzer immer wieder trocknen lässt.
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