Neue Hoffnung auf die Sicherstellung der unersetzlichen Kunstschätze hatten offiziell nicht bestätigte Zeitungsberichte vor wenigen Wochen erzeugt, wonach der in Norwegen landesweit bekannte Kriminelle David Toska (31) die Bilder im Tausch für eine mildere Strafe wegen eines Bankraubes angeboten habe. Zuvor waren in Oslo schon drei Beteiligte an dem Kunstraub zu acht, sieben und vier Jahren Haft verurteilt worden, ohne dass die Bilder wieder auftauchten.
Fahnder und andere Kenner der norwegischen Unterwelt gaben sich schon sehr früh nach dem weltweit Aufsehen erregenden Kunstraub sicher, dass die beteiligten Unterwelt-Kreise eigentlich wenig Interesse an den Bildern selbst oder einem illegalen Deal mit Käufern hätten. Vielmehr sei es darum gegangen, die Aufklärung eines von Toska vier Monate zuvor organisierten Raubüberfalls in Stavanger durch anderweitige Bindung von Polizeikräften zu behindern. Bei dem Überfall mit 13 schwer bewaffneten Männern im Stil von Gangsterfilmen aus Hollywood starb einen Polizist im Kugelhagel der Flüchtenden. Sie nahmen 56 Mill. Kronen (7 Mill. Euro) Beute mit.
Toska wurde als Kopf der Bande im Frühjahr 2005 in Spanien gefasst und im September mit zwölf Mitangeklagten verurteilt. Schon während des ersten Prozesses in der Nordseestadt Stavanger warteten Experten und die Öffentlichkeit gespannt, ob der Verbleib der beiden Kunstwerke ins Spiel kommen würde. Aber Toska schwieg und nahm die Höchststrafe von 19 Jahren zunächst schweigend hin. Aber als einziger der Verurteilten legte er dann Berufung ein - möglicherweise schon mit den beiden Munch-Bildern als Faustpfand im Hinterkopf.


