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25.01.2008 
Politische Bücher

Götterdämmerung in Washington

von Ralf Balke

In seinem neuen Buch „Nach Bush“ schildert Paul Krugmann, mit welchen Methoden die Konservativen es geschafft haben, Washington zu erobern und fordert die Abwahl der Republikaner. Für einen Regierungswechsel plädiert auch Norman Podhoretz in seinem Buch „World War IV“. Allerdings meint er damit die Beseitigung diktatorischer islamischer Regime.

Was kommt nach Bush? Paul Krugmann hofft auf die Abwahl der Republikaner, Norman Podhoretz auf eine Fortsetzung der "Bush-Doktrin". Foto: ReutersLupe

Was kommt nach Bush? Paul Krugmann hofft auf die Abwahl der Republikaner, Norman Podhoretz auf eine Fortsetzung der "Bush-Doktrin". Foto: Reuters

DÜSSELDORF. Zurückhaltung ist wahrlich nicht seine Art: „Die derzeitige Abkopplung des Schicksals normaler Amerikaner vom allgemeinen Wirtschaftswachstum ist, soweit ich es beurteilen kann, in der neueren Geschichte der Vereinigten Staaten ohne Beispiel.“ Mit diesen harschen Worten watscht Paul Krugman US-Präsident George W. Bush und die regierenden Republikaner ab.

In seinem neuen Buch „Nach Bush“ schildert der renommierte Politökonom, mit welchen Methoden die Konservativen es geschafft hatten, Washington zu erobern und die Gesellschaft trotz langer Phasen des konjunkturellen Aufschwungs zu polarisieren. Dank üppiger Steuergeschenke würden die Reichen immer reicher und die Unternehmensgewinne in bis dato unbekannte Regionen katapultiert. „Die Löhne der meisten Arbeitnehmer haben dagegen kaum mit der Inflation Schritt gehalten“, beklagt Krugman.

Die soziale Ungleichheit ist das große Thema des in Princeton lehrenden Wirtschaftswissenschaftlers. Er spricht gerne von dem „Verlorenen Paradies” seiner Jugend – jenen fünfziger und sechziger Jahren, als die USA zu einer sprichwörtlichen Mittelschichtsgesellschaft wurden. Als treibende Kraft dahinter macht Krugman „eine drastische Umverteilung von Einkommen und Vermögen nach unten“ aus, die durch Präsident Roosevelts „New Deal“ eingeleitet wurde. Erst in den späten siebziger Jahren setzte eine Art „Roll-back“ ein. Der nach europäischen Maßstäben ohnehin sehr bescheidene Sozialstaat wurde demontiert, und die einst mächtigen Gewerkschaften sind heute nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Diesen Trend gilt es nach Meinung Krugmans wieder umzukehren, genau deshalb plädiert er für eine Abwahl der Republikaner. Ein solcher „Regimewechsel“ in Washington würde die Chance bieten, endlich ein zentrales Anliegen demokratischer Präsidenten durchzuboxen, das auch Krugman vehement in seinem Buch unterstützt: eine Krankenversicherung für alle amerikanischen Bürger.

„Regimewechsel“ ist auch für Norman Podhoretz das Thema überhaupt. Doch als einer der wortgewaltigsten Vertreter des Neokonservativismus meint er damit eher die Beseitigung diktatorischer Regimes, vorzugsweise in der islamischen Welt. Podhoretz erweist sich als ein entschiedener Verfechter der „Bush-Doktrin”, jener auf Intervention angelegten Außenpolitik, die nicht länger auf eine Eindämmung und Abschreckung ausgerichtet ist, sondern sich die „Austrocknung der Sümpfe” zum Ziel gesetzt hat – egal, ob es sich dabei um islamistische Despoten vom Schlage der Taliban oder säkulare Diktatoren handelt.

Die Probleme im Irak deutet Podhoretz als temporäres „post-totalitäres Stresssyndrom”, das überwunden werden kann. Und weil er in dem radikalen Islam eine ähnliche totalitäre Gefahr für die freie Welt sieht, wie sie zuvor vom Nationalsozialismus und Sowjetkommunismus ausgegangen ist, spricht er von einem Vierten Weltkrieg, in dem sich die USA nach dem Sieg im Kalten Krieg nun befinden würden. Folgerichtig lautet auch so der Titel seines neuen Buchs.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Beide Autoren schwächeln in ihrer Argumentation

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