In seinem neuen Buch „Nach Bush“ schildert Paul Krugmann, mit welchen Methoden die Konservativen es geschafft haben, Washington zu erobern und fordert die Abwahl der Republikaner. Für einen Regierungswechsel plädiert auch Norman Podhoretz in seinem Buch „World War IV“. Allerdings meint er damit die Beseitigung diktatorischer islamischer Regime.
Was kommt nach Bush? Paul Krugmann hofft auf die Abwahl der Republikaner, Norman Podhoretz auf eine Fortsetzung der "Bush-Doktrin". Foto: Reuters
DÜSSELDORF. Zurückhaltung ist wahrlich nicht seine Art: „Die derzeitige Abkopplung des Schicksals normaler Amerikaner vom allgemeinen Wirtschaftswachstum ist, soweit ich es beurteilen kann, in der neueren Geschichte der Vereinigten Staaten ohne Beispiel.“ Mit diesen harschen Worten watscht Paul Krugman US-Präsident George W. Bush und die regierenden Republikaner ab.
In seinem neuen Buch „Nach Bush“ schildert der renommierte Politökonom, mit welchen Methoden die Konservativen es geschafft hatten, Washington zu erobern und die Gesellschaft trotz langer Phasen des konjunkturellen Aufschwungs zu polarisieren. Dank üppiger Steuergeschenke würden die Reichen immer reicher und die Unternehmensgewinne in bis dato unbekannte Regionen katapultiert. „Die Löhne der meisten Arbeitnehmer haben dagegen kaum mit der Inflation Schritt gehalten“, beklagt Krugman.
Die soziale Ungleichheit ist das große Thema des in Princeton lehrenden Wirtschaftswissenschaftlers. Er spricht gerne von dem „Verlorenen Paradies” seiner Jugend – jenen fünfziger und sechziger Jahren, als die USA zu einer sprichwörtlichen Mittelschichtsgesellschaft wurden. Als treibende Kraft dahinter macht Krugman „eine drastische Umverteilung von Einkommen und Vermögen nach unten“ aus, die durch Präsident Roosevelts „New Deal“ eingeleitet wurde. Erst in den späten siebziger Jahren setzte eine Art „Roll-back“ ein. Der nach europäischen Maßstäben ohnehin sehr bescheidene Sozialstaat wurde demontiert, und die einst mächtigen Gewerkschaften sind heute nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Diesen Trend gilt es nach Meinung Krugmans wieder umzukehren, genau deshalb plädiert er für eine Abwahl der Republikaner. Ein solcher „Regimewechsel“ in Washington würde die Chance bieten, endlich ein zentrales Anliegen demokratischer Präsidenten durchzuboxen, das auch Krugman vehement in seinem Buch unterstützt: eine Krankenversicherung für alle amerikanischen Bürger.
„Regimewechsel“ ist auch für Norman Podhoretz das Thema überhaupt. Doch als einer der wortgewaltigsten Vertreter des Neokonservativismus meint er damit eher die Beseitigung diktatorischer Regimes, vorzugsweise in der islamischen Welt. Podhoretz erweist sich als ein entschiedener Verfechter der „Bush-Doktrin”, jener auf Intervention angelegten Außenpolitik, die nicht länger auf eine Eindämmung und Abschreckung ausgerichtet ist, sondern sich die „Austrocknung der Sümpfe” zum Ziel gesetzt hat – egal, ob es sich dabei um islamistische Despoten vom Schlage der Taliban oder säkulare Diktatoren handelt.
Die Probleme im Irak deutet Podhoretz als temporäres „post-totalitäres Stresssyndrom”, das überwunden werden kann. Und weil er in dem radikalen Islam eine ähnliche totalitäre Gefahr für die freie Welt sieht, wie sie zuvor vom Nationalsozialismus und Sowjetkommunismus ausgegangen ist, spricht er von einem Vierten Weltkrieg, in dem sich die USA nach dem Sieg im Kalten Krieg nun befinden würden. Folgerichtig lautet auch so der Titel seines neuen Buchs.
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Podhoretz ist ein alter Hase im politischen und publizistischen Geschäft der USA. Vor kurzem sorgte er für Aufregung, weil er vehement einen Militärschlag gegen den Iran forderte, bevor dieser über die Atombombe verfügt. Seit Oktober 2007 ist Podhoretz außenpolitischer Berater von Rudolph Giuliani, der sich als Präsidentschaftskandidat der Republikaner aufstellen lassen will. Bisher hat er sich bei den Vorwahlen zurückgehalten. Seine große Stunde kommt am Dienstag, dann tritt er in Florida an.
In Giuliani sieht Podhoretz einen Garanten für das Festhalten an der „Bush-Doktrin“. Einem möglichen Machtwechsel in Washington steht er recht skeptisch gegenüber, könnte dieser doch wieder zu einer Richtungsänderung in der Außenpolitik führen, die er für fatal hält.
Dabei hat Podhoretz kein grundsätzliches Problem mit Demokraten. Die beiden demokratischen Präsidenten Roosevelt und Truman verehrt er zutiefst. Und da kann er sich mit Paul Krugman die Hand reichen. Aber während Podhoretz diese wegen ihrer Standhaftigkeit gegenüber Diktatoren bewundert, sieht Krugman in ihnen vornehmlich die Begründer und Bewahrer eines sozial gerechteren Amerikas, in dem Korruption und Vetternwirtschaft im Unterschied zu heute verpönt waren.
Der Princeton-Professor plädiert für eine Rückkehr zu den von Roosevelt und Truman verkörperten Werten: „Um den Irakkrieg mit Effizienz und Ehrlichkeit zu führen, so wie Franklin D. Roosevelt den Zweiten Weltkrieg führte, hätte man sich zumindest ein bisschen wie der New Deal verhalten müssen.” Eine Aussage, die vielleicht auch ein Neocon wie Podhoretz unterschreiben könnte.
Doch beide Autoren schwächeln in ihrer Argumentation, wenn es um das Bashen des jeweiligen politischen Gegners geht: Während Krugman überzeugend und faktengesättigt die sozialpolitischen Defizite beschreibt, wie sie in den USA an der Tagesordnung sind, ist seine Darstellung republikanischer Politik als eine große Verschwörung gegen die Mehrheit der Amerikaner reichlich platt.
Darin ähnelt er wiederum Podhoretz, der von einer „Radikalisierung der Demokraten” spricht und ihnen Heuchelei und Doppelmoral vorwirft. Auch das ist ziemlich mager. Sein Buch dagegen lebt von einer kraftvollen Sprache und vermittelt viel Wissenswertes über das Selbstverständnis amerikanischer Außenpolitik.


