Zweifel, die Angebotsflut werde die Preise verderben, waren unbegründet. "Es gibt zu wenige Hirsts", meinte Harry Blain von Haunch of Venison. Der globale Markt muss gefüttert werden. Zu den von Jopling und Hirst heftig dementierten Berichten, in White Cube lagerten noch Hirst-Ladenhüter im Wert von 100 Mill. Pfund, meinte Sotheby's
-Experte Mark Politmore sarkastisch: "Händler brauchen so viel Zeit."
Auktionshäuser schlagen die Ware schnell um. Schon in der zweiten Sitzung war die globale Reserve erreicht, man konnte, wo nötig, die Limits senken. So wurde die Vormittagssitzung ein 100 Prozent-Verkauf. Aber geschätzt war die Ware ein gutes Drittel unter vergleichbaren Galeriepreisen, und da blieb viel Raum für Schnäppchen - das rechteckige "Spin"-Painting "Beautiful Resolution Spin" war für 23 750 Pfund zu haben.
Die Preise waren also dem Marktniveau angepasst. Drei langweilige Vitrinenwerke blieben unverkauft, auch die Formaldehydwerke blieben billig, bis hinauf zum "Goldenen Kalb", dem Leitmotiv der Auktion, das mit 10,4 Mill. Pfund in der Schätzung blieb. Als Name des Telefonkäufers zirkuliert François Pinault. Zwei Vitrinenwerke, ein Kälbchen mit goldenen Hufen und das Zebra, wurden zu Discount-Preisen von 1,4 und 1,1 Mill. verschleudert.
Sehr erfolgreich waren die Butterfly-Paintings. Hirsts Ankündigung, er werde diese Serie einstellen, spornte die Bieter an. Das bis 700 000 Pfund geschätzte große Schmetterlings-Painting "Ascended" brachte den Spitzenpreis von 2,3 Mill. Pfund. Hirsts mit Todesfurcht gewürzte Glitter-Kunst traf genau die Stimmung des Tages. Ringsum stürzten Banken, bei Lehman
Brothers in London stehen Tausende Jobs zur Disposition, Hirst lud ein zum Tanz auf dem Vulkan. Mit ihrem Klammermotiv Götzen, Geld und Gold stellt diese Auktion einen Block im Werk Hirsts dar, an den man sich lange erinnern wird. Nicht nur der Künstler, auch die Käufer dürften auf ihre Kosten gekommen sein.


