2 Bewertungen *****
28.10.2008 
Kunstmarkt

Hängepartie in New York

von Matthias Thibaut

Wenn Auktionator Tobias Meyer am Montag um 19 Uhr im New Yorker Sotheby's Headquarter den Hammer in die Hand nimmt, beginnt eine der riskantesten Kunstauktionen seit Jahren. Moderne Kunst mit für mindestens 350 Millionen Dollar wird versteigert. Sotheby's hat Erfolgsgarantien in Höhe von 160 Millionen Dollar gegeben – und die Preise fallen.

Abgeblasene Auktion: Sotheby's setzte die Versteigerung von Picassos Arlequin aus - aus Angst vor der Krise. Foto: apLupe

Abgeblasene Auktion: Sotheby's setzte die Versteigerung von Picassos Arlequin aus - aus Angst vor der Krise. Foto: ap

LONDON. Ein nervöser Einlieferer bekam am Dienstag kalte Füße. Nach wochenlangem Verhandlungen wurde ein kubistischer Picasso zurückgezogen, der 30 Millionen Dollar kosten sollte. „Private Gründe“ erklärte Sotheby's Co-Chairman David Norman. Die Einlieferer des „Harlekins“ hatten sich nicht, wie andere Besitzer von Spitzenkunst, eine Verkaufsgarantie von Sotheby's geben lassen. Nun, in einem sinkenden Markt wollten sie ihren Schatz nicht durch einen Auktionsflop „verbrennen“, wie Händler sagen.

Die Finanzkrise ist zu spüren. Erste negative Signale gab es bei den Auktionen mit zeitgenössicher Kunst vorletzte Woche in London. Bei weißem Burgunder und Mini-Bagles sagte die deutsche Chef-Expertin von Sotheby's, Cheyenne Westphal, mit einer gewissen Erleichterung: „Wir sind happy. Es werden noch Deals gemacht.“

Aber die Kunstwelt sah, dass die Preise nach jahrelangem steilem Anstieg im Sinken begriffen waren. Die Gesamteinnahme lag ein Drittel unter Ziel. Teure Werke wurden unter Preis oder gar nicht verkauft. Auch Gerhard Richters Landschaftsbild „Jerusalem“ nicht, das für rund Millionen Pfund garantiert war.

Genaueres las man eine knappe Woche später in einer lapidaren Mitteilung für die New Yorker Börse. Weil garantierte Nachkriegskunst in Hongkong und London nicht die Erwartungen erfüllte, erlitt Sotheby's im Oktober einen Verlust von 15 Millionen Dollar. Gescheiterte Kunst mit einem Schätzwert von 14 Millionen Dollar musste ins Inventar übernommen und sofort auf elf Millionen Dollar abgeschrieben werden.

Am Montag liegen die Risiken ungleich höher. Sotheby's beziffert die Garantieversprechen für das letzte Quartal mit 285 Millionen Dollar - von denen 63 Millionen Dollar an Dritte weitergegeben wurden. „Ein gewaltiges Risiko für ein so dünn kapitalisiertes Unternehmen wie ein Auktionshaus“, findet ein Londoner Marktanalyst.

Allein am Montag Abend stehen bereits 160 Millionen Dollar auf dem Spiel: Garantiert sind u.a. eine suprematistische Komposition des russischen Avantgardisten Kasimir Malewitsch, ein Degas Pastell (Tänzerin), das der Mitbegründer der Beteiligungsgesellschaft KKR, Henry Kravis, 1999 für 28 Millionen Dollar ersteigerte und nun für 40 Millionen Dollar weiterverkauft und Edvard Munchs auf 35 Millionen Dollar geschätztes Gemälde „Vampir“.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Zum Saisonende laufen in der Fußball-Bundesliga zahlreiche Verträge von Vereinen mit ihren Hauptsponsoren oder Ausrüstern aus, weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in der Wirtschaftskrise. Das Ma...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor