Wer gute Nerven hat, sollte den Versuch wagen, einfach freitags oder samstags anzurufen. Bei Christian Bau gibt es beispielsweise die „Kapelle“, ein kleines Separee, in dem 8 bis 16 Personen Platz finden. Nach Absprache mit dem Küchenchef wird dort manchmal nachträglich eingedeckt. Auch spontan.
Der Kreis derer, die sich ganz spontan an die deutsch-luxemburgische Grenze verirren, dürfte allerdings kalkulierbar sein. Aus verkehrstechnischen Gründen bleibt für Spontaneität am Ende nur die Nutzung des hoteleigenen Hubschrauber-Landeplatzes.
Wie glücklich sich Feinschmecker in Deutschland schätzen können, zeigt der Versuch, im spanischen Gourmetolymp „El Bulli“ in Roses bei Ferran Adrià einen Tisch zu bekommen. Pro Jahr gehen dort ungefähr zwei Millionen Reservierungsanfragen für 8 000 Plätze ein, die pro Saison zu vergeben sind. Auch hier entscheidet, so heißt es zumindest, nicht das Schimmern der Kreditkarte, wer hinter einem der 50 Gedecke im Restaurant Platz nehmen darf, sondern in 95 Prozent aller Fälle das Losglück.
Das gibt es in deutschen Landen nicht. Gegen den Frust hilft hier, sich von den Wochenendterminen zu verabschieden, einenArbeitstag frei- und bei den deutschen kulinarischen Zauberern Platz zu nehmen.
Schon sonntags sieht es anders aus. Dann, wenn die Gourmet-Touristen wieder auf der Autobahn sind. Sonntags, mittwochs und donnerstags – Montag und Dienstag haben die meisten Genießer-Tempel Ruhetag – geht fast immer etwas. Und mittags sowieso. Wie bei Wohlfahrt mit dem Panorama-Trostblick.


