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09.08.2008 

Der Mistral, er macht nervös und auch erfinderisch. Um die Felder vor ihm zu schützen und das Vordringen der Dünen zu stoppen, wurde in den 50er-Jahren der Pinienwald von Is Arenas angepflanzt, direkt am Meer, an einem kilometerlangen, meist menschenleeren Sandstrand. In diesem Wald entstand in den vergangenen Jahren ein traumhafter Golfplatz, der 18 Löcher und eine Besonderheit hat: Auf dem Course sagen sich Fuchs und Schildkröte guten Tag. Wer ihn absolviert, wird mit ziemlicher Sicherheit einem scheuen Fuchs oder einer trägen Landschildkröte begegnen. Die sind so zahlreich, dass sie als Wappentier des Is Arenas Golf & Country Clubs fungieren.

Am Golfplatz eröffnete jetzt ein Fünf-Sterne-Resort. Die anfänglichen Befürchtungen von Naturschützern, hier entstehe auf Kosten des Waldes eine neue Villenwelt wie an der Costa Smeralda, widerlegt das Ressort augenfällig: Häuser nie höher als die Baumwipfel verschwinden nahezu im Pinienhain. "Von der Landwirtschaft alleine kann man hier auch nicht mehr leben", sagt lakonisch Roberto Putzolu. Er fand als Sekretär des Golfclubs einen Job mit Zukunft.

So wandelt sich der wilde Westen Sardiniens langsam. Die rebellischen Fischer von Cabras betreiben erfolgreich ein Restaurant, in dem sie selbst ihren Fang grillen und servieren. Mit dem ehemaligen Arbeiterführer Gianni kann man aufs Meer zum Fischen fahren. Selbst der Vernaccia de Oristano, der sonnenfarbene Weißwein der Region, wird immer edler ausgebaut. Erfolgreich darin sind übrigens die Nonnen der Compagnia Figlie Sacro Cuore in Putzu Idu. Ihr Evaristiano Bianco ist Sardiniens erster Öko-Wein, von Gambero Rosso 2007 ausgezeichnet. "Wir betrachten den Wein wie das Gemüse in unserem Garten", sagt Oberin Margherita Piludu, "da haben wir auch niemals chemischen Dünger oder Pestizide eingesetzt." Ihr Motto "Il vino fa (del) bene" heißt nicht nur, das der Wein dem Konsumenten, sondern auch vielen anderen guttut: Denn Menschen mit Behinderungen werden im Weinanbau ausgebildet und beschäftigt.

Wenn alles zu edel wird, bläst der Mistral kräftig dazwischen. Dann peitschen Wellen an die Ufer, fliegen Büsche über die Straße und der Westen Sardiniens ist wieder wild.

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