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03.10.2008 
Jüdische Museum Berlin

Jede Restitution ist ein Einzelfall

von Claudia Tödtmann

Die Restitution von Bibliotheken und Kunstwerken aus jüdischem Privatbesitz ist und bleibt ein heikles Thema. Das zeigt auch die Ausstellung „Raub und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute“, mit der das Jüdische Museum Berlin an Hand von 15 Beispielen die Enteignungspraxis der Nationalsozialisten schildert.

Schwarz-Weiß-Aufnahme im Jüdischen Museum Berlin: Das Foto ist Teil der Ausstellung über den Kunstraub der Nationalsozialisten. Foto: dpaLupe

Schwarz-Weiß-Aufnahme im Jüdischen Museum Berlin: Das Foto ist Teil der Ausstellung über den Kunstraub der Nationalsozialisten. Foto: dpa

BERLIN. Die Schau reiht sich ein in eine Serie von Ausstellungen, die in den letzen zehn Jahren die Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung im Hitler-Staat zum Thema hatte. Unter anderen hatte das Deutsche Historische Museum 2005 in der vom Hessischen Hauptstaatsarchiv initiierten Wanderschau „Legalisierter Raub“ die fiskalischen NS-Praktiken beleuchtet und die „Wiedergutmachung“ der Adenauer-Ära kritisch hinterfragt.

In dieser Schau hatten die Berliner Organisatoren die Geschichte der Galerie van Diemen und ihrer Versteigerung durch den Auktionator Paul Graupe im Jahr 1935 als Paradebeispiel einer Kunstenteignung herausgestellt. Das Jüdische Museum spannt den Bogen mit ausführlichen Schautafeln und detailreicher Flachware weiter als alle vorangegangenen Ausstellungen. Es führt die Gesamtstruktur des Kunstraubs bis in die kriegsbesetzten Gebiete, die Sammlung Hermann Göring und das „Führermuseum Linz“ vor Augen und nimmt auch das bislang weniger beachtete Raubgut in deutschen Bibliotheken in den Blick.

Dass auch die zum Teil keineswegs spontane Kunstrückgabe in den Niederlanden und Frankreich dargestellt wird, weitet den Blick. Jeder der hier eingehend behandelten 15 Präzedenzfälle repräsentiert über die Systematik der nationalsozialistischen Enteignungsmethoden hinaus ein individuelles, nicht immer restlos aufgeklärtes Einzelschicksal. Gerade die weniger bekannten Fälle bieten ein differenziertes Kontrastprogramm zu hinlänglich bekannten Beispielen.

Da ist die nach der Versteigerung im Mai 1933 in alle Winde zerstreute Sammlung des Kunstvermittlers Curt Glaser, aus der eine Corinth-Landschaft, die 1949 mit einer dubiosen Privatsammlung deutscher Impressionisten und Expressionisten ins Niedersächsische Landesmuseum Hannover gelangte. Da sind die bis auf vier restituierte Bilder versprengten Bestände der Düsseldorfer Galerie Stern, die 1937 bei Lempertz versteigert wurden. Da ist die museale Sammlung von Möbeln, Gemälden und Textilien des Frankfurter Industriellen Carl von Weinberg, die 1937 als „Judenvermögensabgabe“ in die Frankfurter Museen verteilt und 1950 nach Schenkung ausgewählter Kunstgegenstände restituiert wurde.

Interessant wird die Ausstellung durch die Rolle des Kunsthandels im Dritten Reich, dem Anja Heuss im Katalog einen knappen, aber erhellenden Aufsatz widmet. Hier wird keineswegs die Tatsache unterdrückt, dass das Wirtschaftsministerium sich aus Devisengründen noch bis 1937 der Geschäftsbeziehungen jüdischer Kunsthändler und Auktionatoren im Land bediente. Man hätte sich hier aber detailliertere Informationen zu Hofkunsthändlern der Nazis wie Maria Dietrich, Karl Haberstock und W. A. Hofer gewünscht.

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