So haben sie im August einen Film über den legendären bayerischen Ganoven, den "Räuber Kneißl" herausgebracht, in dem Maximilian Brückner und Maria Furtwängler unter der Regie von Marcus H. Rosenmüller ("Wer früher stirbt, ist länger tot") spielen. Rosenmüller kannten Berg und Wiedemann wie auch Henckel von Donnersmarck von der HFF. Die gebürtigen Münchner waren schon seit der fünften Klasse miteinander befreundet und hatten zwei Kurzfilme gedreht, bevor sie sich bei der Filmhochschule bewarben. Dass sie mit dem Namen WB für Wiedemann und Berg auf Branchengrößen wie Warner Brothers hinauswollten, bestreitet Quirin Berg zwar, droht aber schon lachend an, dass sie "wahrscheinlich irgendwann Warner Brothers verklagen müssen". Denn natürlich wurden sie von großen Studios wie Warner Brothers geprägt und von spektakulären Actionfilmen wie "Terminator" oder "Back To The Future" beeinflusst. Trotzdem hat es Berg nie gereizt, vor oder direkt hinter der Kamera zu stehen, war er doch viel zu sehr von der Wirtschaft und ihren Gesetzen fasziniert.
Und nirgendwo offenbart sich das ökonomische Herz des Filmemachens stärker als in den Wochen und Monaten vor den Oscars. Berg und Wiedemann absolvierten eine Kampagne, fast so aufwändig wie ein Vorwahlkampf der Demokraten: Zuerst traten sie auf Screenings und Festivals auf, nachdem sie als deutscher Kandidat benannt worden waren, gefolgt von einer intensiven Pressearbeit, bis sie auf die Longlist der letzten neun Kandidaten kamen. Doch als dann die Nominierung auf der Liste der letzten Fünf kam, brach eine Lawine los, "auf die man wirklich nicht vorbereitet ist", erzählt Berg. Sie reisten mit einer großen Delegation nach Los Angeles und organisierten eine Party in der Villa von Roland Emmerich, die ihnen dieser freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte. Denn Emmerich ist wie Doris Dörrie oder Sönke Wortmann auch Absolvent der HFF, der Hochschule, an der Berg und Wiedemann ihr Produzentenstudium absolvierten, einer Kaderschmiede des deutschen Films.
Bevor er gemeinsam mit Wiedemann an der HFF begann, arbeitete Berg nach dem Abitur als Setrunner - "ich war einfach Mädchen für alles" - und machte ein Praktikum bei Bernd Eichinger. Es war "ein kleiner familiärer Kreis", erzählt Berg, "wir waren nur zwölf Leute in einem Jahrgang, da merkt man schnell, wer die gleiche Vision hat und sich für ähnliche Sachen interessiert". Etwa auch Henckel von Donnersmarck, mit dem sie kurz nach Gründung ihrer Firma 2004 bereits "Das Leben der Anderen" drehten. "Wir hatten auf ein Kunstfilm-Publikum spekuliert, bei dem schon eine halbe Million Zuschauer ein Erfolg gewesen wäre", sagt Berg und lächelt etwas schief. Denn allein in Deutschland sahen den Film zwei Millionen Zuschauer, weltweit spielte er knapp 50 Millionen Euro ein, bei Produktionskosten von vier Millionen Euro ein mehr als beachtliches Ergebnis. Aber auch ein großes Wagnis. Erst Anfang 2006 wussten, dass sie es geschafft hatten, als sie den Bayerischen Filmpreis bekamen und später den Deutschen Filmpreis. Berg konnte die gewaltige Resonanz auf diesen Film nur zum Teil mitnehmen, weil er schon längst mit neuen Projekten beschäftigt war. "Aber wir wussten, wie stark die Geschichte ist, dass sie überall berührt", sagt Berg. Mit Henckel von Donnersmarck blieb er so lange im Schneideraum, bis sie sich beide sicher waren, dass kein Millimeter anders geschnitten sein dürfe. So fällt es Quirin Berg jetzt auch schwer, seine Lieblingsszene zu nennen. Er überlegt lange, bis er sagt, wie gerne er das Schlussbild hat, aber vor allem die Szene liegt ihm am Herzen, in der der degradierte Ulrich Mühe in einem Stasikeller sitzt und Briefe öffnet, während über ihm die Mauer fällt. Dann hält die Maschine an, die die Briefe sortiert.


