Die Szene ist auch deswegen so schön, weil sie auf klassischem Filmmaterial gedreht wurde, und nicht etwa wie viele andere Filme mit einer digitalen Kamera. Doch sieht Zelluloid zwar besser aus, ist leider aber auch teurer als etwa eine TV-Produktion. Das Paket, das Produzenten im Vorfeld eines Filmes schnüren, um die Finanzierung zu sichern, muss genügend Reize für potenzielle Investoren bieten, damit sie das Risiko eines Films auf sich nehmen. Produzenten wie Berg und Wiedemann bringen in der Regel selbst nur fünf Prozent der gesamten Finanzierung ein. Nur ist das Problem, dass es keine festen Berechnungen darüber gibt, wie erfolgreich ein Film sein wird. So hilft es, wenn man einen prominenten Schauspieler verpflichtet. Noch mehr hilft es, wenn man die TV- oder DVD-Rechte verkaufen kann. Mit den Rechten kann man sich gegen Verluste absichern, die sonst bei Kinofilmen immer drohen, da TV und DVD relativ sichere Einnahmequellen sind. Es gab gigantische Flops, die wie todsichere Geldquellen aussahen, aber auch Filme wie "Das Leben der Anderen", die unerwartete Erfolge landen. Und das ist das große Problem eines Produzenten: Berg muss im Grunde genommen versuchen, jemandem etwas zu verkaufen, von dem aber niemand weiß, wie es überhaupt wird. Schwierige Konstellation, in der man vor allem eins benötigt: Vertrauen. Berg weiß zwar, dass "nichts in der Branche so viel Vertrauen schafft wie der kleine goldene Mann aus Hollywood", aber Filmerfolg ist nie richtig planbar, da es sich auch bei jedem noch so sehr kritisierten Popcorn-Movie um ein einzigartiges Kunstwerk handelt.
Für die Produktion eines Filmes wie "Das Leben der Anderen" bedeutet dies ein ständiges Abwägen, ob man sich im Namen der Kunst für eine teurere Möglichkeit entscheidet oder versucht, zu sparen. "Wir haben uns fast immer für die teurere Alternative entschieden", seufzt Berg, wirft aber schnell hinterher, dies sei auch immer die bessere Variante gewesen. So wurde die Musik etwa nicht am Computer programmiert, sondern von einem kompletten Orchester live eingespielt. Und am Ende zahlt sich solches Gespür auch aus. Berg und Wiedemann planen munter weitere Projekte. Denn auch wenn 2007 ein schlechtes Jahr für den deutschen Film war, glaubt Berg daran, dass es jetzt wieder nach oben geht.
Aber vielleicht liegt das auch an der Gelassenheit, die ein Oscar direkt am Anfang der Karriere so mit sich bringt. Vielleicht hilft das auch, jetzt den Erfolg besser zu genießen, als es direkt nach der Verleihung möglich war. Bis nachts um zwei drehte sich noch das Pressekarussell um sie, am nächsten Morgen gaben sie bereits um acht Uhr schon wieder Interviews. Der einzig ruhige Moment war direkt nach der Verleihung. Die drei Männer gingen an die warme Februarluft von Los Angeles, redeten kurz darüber, was das für ein Wahnsinn ist. Dass sie den Oscar bekommen haben. Dass sie genau den Film gemacht haben, den sie machen wollten. An den vorher niemand geglaubt hat. Das müssen dann die Minuten gewesen sein, von denen Quirin Berg bis heute nicht weiß, was da genau passiert ist.
Quirin Berg
Der Filmproduzent Quirin Berg wurde 1978 in München geboren. Zusammen mit seinem Schulfreund Max Wiedemann begann er 1999 das Studium der Produktions- und Medienwirtschaft an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Im Jahr 2003 schloss Berg das Studium mit dem Diplom ab. Während der Ausbildung entstanden viele Kurzfilme, die mehr als 60 nationale und internationale Preise einfuhren. In dieser Zeit produzierte er auch seinen ersten abendfüllenden Fernsehfilm. Im letzten Studienjahr gründete er zusammen mit Wiedemann die Wiedemann & Berg Filmproduktion. 2006 schließlich produzierte die Firma den Kinofilm "Das Leben der Anderen" mit Ulrich Mühe und Martina Gedeck in den Hauptrollen. Der Film wurde mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film, dem französischen Filmpreis César und zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter gleich sieben Deutsche Filmpreise. Im vergangenen Monat kam die Wiedemann & Berg-Produktion "Der Räuber Kneißl" in die Kinos.
Filmindustrie - Gebeutelte Branche
Das vergangene Jahr war kein gutes Jahr für die deutsche Filmbranche. Nach dem Riesenerfolg von "Das Leben der Anderen" 2006 war das darauf folgende Jahr eher geprägt von US-Sequels wie "Spiderman III", "Pirates of the Caribbean III" oder "Stirb langsam 4.0". Erst am Ende des Jahres kam "Keinohrhasen" von Til Schweiger in die Kinos und sorgte für einen versöhnlicheren Abschluss. Dennoch sanken die Zuschauerzahlen um 6,4 Prozent, wofür die Filmbranche vor allem Raubkopien im Internet verantwortlich macht. So sind deutsche Produktionsfirmen auch auf eine Doppel-Strategie angewiesen, indem sie sowohl Kino als auch TV produzieren. Quirin Berg schätzt, dass es in Deutschland vielleicht 100 Filmproduktionsfirmen gibt, von denen man etwa 50 ernst nehmen könne. Und diese sind nicht nur beim verlässlicheren TV-Geschäft auf die Sender angewiesen, sondern auch bei der Kino-Finanzierung, bei der die Sender gegen Austausch der TV-Rechte häufig als Finanziers einspringen. Positive Signale kommen auch von der Politik: So stellt der von Kulturstaatsminister Bernd Neumann initiierte deutsche Filmförderfonds jedes Jahr bis zu 60 Millionen Euro für Produktionen zur Verfügung, die in Deutschland gedreht werden. "Es läuft mal besser, mal schlechter", sagt Quirin Berg. Er ist überzeugt davon, dass es 2008 wieder besser läuft. Die Antwort auf den Zuschauerschwund sieht er vor allem in besseren Filmen, die die Leute wieder dazu bringen, häufiger ins Kino zu gehen.


