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19.06.2006 
Rekordgebot

Klimt-Gemälde für Rekordpreis von 135 Millionen Dollar verkauft

Ein Gemälde des österreichischen Malers Gustav Klimt ist für den Rekordpreis von 135 Mill. Dollar (107 Mill. Euro) verkauft worden. Den Zuschlag in der privaten Auktion bekam der Kosmetikunternehmen Ronald Lauder.

HB NEW YORK. Das goldglänzende Porträt „Adele Bloch-Bauer I“, um dessen Besitz und vier weitere Bilder sich die Erben einer von den Nazis enteigneten Familie jahrelang mit der österreichischen Regierung gestritten hatten, kaufte Kosmetik-Unternehmer Ronald Lauder nach einem Bericht der „New York Times“ am Montag für die Neue Galerie in Manhattan. Es ist die höchste Summe, die jemals für ein Gemälde gezahlt wurde. Bisheriger Rekordhalter war ein Picasso, der im Auktionshaus Sotheby's 2004 für 104,1 Mill. Dollar den Besitzer wechselte.

„Das ist unsere Mona Lisa. So was kauft man nur einmal im Leben“, sagte der 62-jährige Lauder über seinen Coup. Das aufwendige Porträt, an dem Klimt (1862-1918) drei Jahre gearbeitet hatte, ist auch als „Goldene Adele“ bekannt. Es zeigt die Gattin des jüdischen Zucker- Industriellen Ferdinand Bauer aus dem Jahre 1907. Sie hatte eine Vorliebe für wallende Kleider und versammelte gerne Intellektuelle und Künstler um sich. Außerdem wird gemunkelt, sie sei eine Geliebte Klimts gewesen. Neben dem „Kuss“ gehört das Bild zu den Meisterwerken des berühmten Jugendstil-Malers.

Zusammen mit vier weiteren Klimt-Gemälden aus dem Besitz der Familie Bloch-Bauer, die von den Nazis währen des Zweiten Weltkriegs gestohlen wurden, hatte es für jahrzehntelangen Streit zwischen den Erben Adele Bloch-Bauers und dem österreichischen Staat gesorgt. Die Industriellen-Gattin war 1925 im Alter von 43 Jahren an Gehirnhautentzündung gestorben. Weil sie keine Kinder hatte, verfügte sie, dass die fünf Gemälde nach dem Tod ihres Gatten an das Land Österreich gehen solle. Als Nazi-Deutschland Österreich annektierte, musste Ferdinand Bauer in die Schweiz fliehen - und ließ alles zurück. Bevor er 1945 starb, änderte er jedoch sein Testament und hinterließ seinen ganzen Besitz den drei Kindern seines Bruders Gustav.

Aber erst Anfang des Jahres war es der letzten lebenden Nichte, der heute 90-jährigen, in Los Angeles lebenden Maria Altmann gelungen, vor einem österreichischen Schiedsgericht ihre Ansprüche auf dieses Erbe durchzusetzen. Bis dahin hingen die Klimt-Bilder im Wiener Museum Belvedere. Derzeit sind sie noch bis Ende Juni im Los Angeles County Museum of Art zu sehen. Ab Mitte Juli sollen alle fünf Gemälde in der New Yorker Neuen Galerie ausgestellt werden.

Angebote, die „Goldene Adele“ zu kaufen, hatte Altmann aus aller Welt bekommen. Dem Unternehmer Lauder, der auch unter Ronald Reagan Botschafter in Österreich war, gab sie den Zuschlag, weil er sie im Streit um die Bilder jahrelang großzügig unterstützt hatte. Lauder, zweiter Sohn der Kosmetik-Königin Estée Lauder, ist einer der Mitbegründer der Neuen Galerie. Das kleine Museum an der Fifth Avenue widmet sich seit 2001 ausschließlich deutscher und österreichischer Kunst. „Mr. Lauder hat ein großartiges Verständnis von Österreich und eine große Liebe für Klimt“, sagte Altmann der „New York Times“. Weder sie noch ihre Verwandten wollten das Bild behalten.

Was mit den anderen vier Klimts passieren wird, die zusammen rund 100 Mill. Dollar wert sein sollen, weiß Altmann noch nicht: „Ich kann mich nicht entscheiden. Vielleicht kommen sie zu Christie's in die Auktion. Ich hoffe sehr, dass sie in Museen landen werden. Jetzt bin ich erst mal froh, dass sie ein neues Zuhause in der Neuen Galerie haben“, sagte sie.

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