0 Bewertungen
27.05.2007 
Yoga

Krieger, Krähe, Kobra

von Patricia Engelhorn

Männer sehen Yoga gerne als esoterisches Kaffeekränzchen. Patrick Broome hat nicht nur Sting oder Christoph Metzelder eines Besseren belehrt. Jetzt schwört er auch Berliner auf einen dynamischen, urbanen Stil ein.

Fünf Millionen Menschen sollen in Deutschland bereits Yoga praktizieren.Lupe

Fünf Millionen Menschen sollen in Deutschland bereits Yoga praktizieren.

Fünf Millionen Menschen sollen in Deutschland bereits Yoga praktizieren.Lupe

Fünf Millionen Menschen sollen in Deutschland bereits Yoga praktizieren.

Im vergangenen Herbst veröffentlichte das US-Magazin „Esquire“ eine Umfrage unter Yoga praktizierenden Investmentbankern. Erforscht werden sollte der Zusammenhang zwischen der uralten indischen Meditationspraxis und den hohen, auch körperlich anstrengenden Anforderungen des westlichen Berufslebens. Es gab eine Reihe unterschiedlicher Aussagen, doch im Kern wurde bekundet: Yoga macht nicht klüger und auch nicht erfolgreicher, aber es stärkt die Psyche, stählt den Körper und hilft, schneller mit einem Misserfolg fertig zu werden. „Du bist gefallen?“ heißt es sinngemäß. „Dann steh auf, und versuch es noch mal!“

Yoga ist in der leistungsorientierten Männerwelt angekommen – nicht nur in Amerika, sondern auch hier zu Lande. Als sich die deutsche Nationalelf im vergangenen Frühjahr auf die WM vorbereitete, holte Oliver Bierhoff, der in seiner Los-Angeles-Zeit selber mit Yoga begonnen hatte, einen Yogalehrer ins Team. Nicht irgendwen natürlich, sondern Patrick Broome, einen lässigen, 38-jährigen, promovierten Psychologen. Kein internationales Treffen, kein hochkarätig besetzter Workshop, kein ernst zu nehmendes Seminar, bei dem nicht zumindest versucht würde, ihn zur Teilnahme zu gewinnen. Bekannt wurde der ehemalige Dozent an der Uni München, als er 2001 Jivamukti-Yoga aus den USA nach Deutschland brachte. Diese körperbetonte Variante wurde in den späten 80er-Jahren von Sharon Gannon, einer Tänzerin, und dem Künstler David Life entwickelt. In ihrem Studio in Downtown Manhattan entstand Yoga für moderne Großstadtmenschen, dynamisch und spirituell zugleich. Sting, Madonna und Christy Turlington gehören zu den prominenten Anhängern, und ihr Lehrer war Patrick Broome.

Doch Fußballer sind ein anderes Kaliber. Ganz schön aufgeregt sei er zunächst gewesen, gesteht Patrick Broome, schließlich hätten die Jungs Yoga-Positionen wie „Krieger“, „Kobra“ und „Krähe“ auch völlig bescheuert finden können. Aber sie fanden es toll. Die meisten jedenfalls. So toll immerhin, dass sie Yoga zu einem festen Bestandteil ihres Trainingsprogramms machten und Patrick Broome zum allseits akzeptierten Mannschafts-Guru. Christoph Metzelder sagt rückblickend: „Es war eine gute Erfahrung zu sehen, was Beweglichkeit, Konzentration und Entspannung bedeuten. Uns wurde bewusst, dass gerade die Psyche über Sieg und Niederlage entscheidet.“ Johann Karner sieht das ähnlich. Acht Jahre intensive Yoga-Praxis und beinahe tägliche Besuche im Münchener „Jivamukti Yogaloft“ haben den Unternehmer gelehrt, an Widerständen zu wachsen, Schwierigkeiten als Herausforderung zu betrachten und Stress als positive Energie einzusetzen: „Ich bin gelassener geworden“, sagt er, „betrachte die Dinge mit mehr Distanz und sehe mich nicht genötigt, auf alles immer sofort zu reagieren“. Als netten Nebeneffekt nimmt der 60-Jährige einen perfekt durchtrainierten und erstaunlich gelenkigen Körper mit nach Hause.

„Gerade Männer entwickeln bei den Übungen oft einen Ehrgeiz, der im Yoga überhaupt nichts verloren hat. Nach und nach wächst dann aber die Erkenntnis, dass Yoga mehr zu bieten hat als körperliche Betätigung.“ sagt Broome. „Auch wenn wir uns im Westen weitgehend von kulturell-religiösen Hintergründen gelöst haben, bleibt es eine geistige Schule, die uns lehren soll, besser mit dem Leben klar zu kommen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Deutschland ist vom Yoga-Fieber befallen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Bildergalerien

zurück
  • Wie die Deutschen Flagge zeigen

    Wie die Deutschen Flagge zeigen

    Die CDU möchte die deutsche Sprache im Grundgesetz verankern. Der Parteitagsbeschluss fachte bundesweit eine neue Patriotismus-Debatte an. Worüber debattiert wird, kann auch im Haus der Geschichte in Bonn besichtigt werden – in der Ausstellung „Flagge zeigen? Die Deut...Bildergalerie 

  • Die beliebtesten Wohnorte der Topverd...

    Die beliebtesten Wohnorte der Topverdiener

    Welche Gebiete locken die meisten Wohlhabenden an? Wo wohnen die Besserverdienenden in Deutschland am liebsten und welche Teile Deutschlands werden eher gemieden? Das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK hat untersucht, welches die begehrtesten Städte der Wohlhabe...Bildergalerie 

  • Der Palast der Republik ist Geschicht...

    Der Palast der Republik ist Geschichte

    Nach jahrelangen Verzögerungen und auch Hindernissen in den vergangenen Tagen fiel am Dienstag das letzte Treppenhaus dem Abrissbagger mit seinem 40 Meter langen Greifarm zum Opfer. Karl Marx und Friedrich Engels sahen weg, als hinter ihrem Rücken nach jahrelanger Verz...Bildergalerie 

vor