Was sind die Folgen dieses Ideenkrieges?
Es gibt keine gemeinsame Verständigungsbasis mehr, wir marschieren zurück. Das Land fällt auch physisch auseinander. Brücken stürzen ein, Straßen verrotten. Wenn ein Wirbelsturm eine Stadt trifft, kümmert sich niemand darum, sie wieder aufzubauen. Wir haben nicht einmal mehr genügend Fleischkontrolleure. Die Inkompetenz triumphiert.
Dennoch basiert die ganze Kampagne von Obama im Grunde auf einem einfachen Appell: Lasst uns den amerikanischen Traum wiederbeleben! Das scheint nach wie vor ein sehr starkes verbindendes Ideal zu sein.
Ich glaube, er bezieht sich auf dasselbe wie ich: Wir müssen wieder eine tragfähige gemeinsame Basis schaffen. Obama buchstabiert aber nicht richtig durch, was er damit meint. Vielleicht hat das auch etwas damit zu tun, dass in Amerika niemand sagen will, er sei ein Liberaler, es ist fast ein Schimpfwort ...
... in den USA hat liberal eine andere Bedeutung als in Europa?
Richtig, aber die Demokraten müssten aufstehen und sagen: Das bedeutet Liberalismus für uns: soziale Sicherheit, Bürgerrechte, Medicare - lauter Dinge, auf die wir stolz sein können, statt uns dafür zu schämen.
Warum steht Obama in den Umfragen nicht besser da?
Weil er schwarz ist, das ist der einzige Grund. Angesichts der niederschmetternden Bilanz nach acht Jahren Bush, auf jedem Gebiet, sei es außenpolitisch oder wirtschaftlich, müssten die Demokraten einen Erdrutschsieg davontragen. Aber weil jetzt der Rassenfaktor dazukommt, habe ich keine Ahnung, wie die Wahl ausgehen wird.
Dann haben die Demokraten doch den falschen Kandidaten ausgewählt.
Es ist wirklich bemerkenswert, dass Obama die Präsidentschaftskandidatur gewonnen hat. Das ist ein Durchbruch. Und ich bin glücklich darüber, denn es beweist, dass Amerika große Fortschritte gemacht hat. Aber ob am Wahltag wirklich genügend Leute für ihn stimmen werden, weiß ich nicht.
Hat er die richtigen Eigenschaften für einen Präsidenten?
Er ist sehr intelligent, sehr selbstsicher, auch unter großem Druck bleibt er cool. Darin ähnelt er John F. Kennedy.


