Unterstützen Sie Barack Obama im Wahlkampf?
Mein Frau und ich haben Geld für seine Kampagne gespendet, zu seiner Wahl aufgerufen, aber das bedeutet nicht viel. Die meisten Schriftsteller sind für Obama, aber Autoren haben in den USA keine große öffentliche Wirkung.
Sie haben gesagt, er hat seine Vorstellungen nicht richtig durchbuchstabiert. Was würde er denn ändern?
In den ersten vier Jahren muss er zumindest einen Teil der Trümmer beseitigen, die Bush hinterlässt. Wir sind international diskreditiert, Obama muss unseren Ruf wiederherstellen. Aber angesichts des Ausmaßes der Finanz- und Wirtschaftskrise weiß ich nicht, ob er die Möglichkeit zu großen Veränderungen haben wird. Dafür bräuchte er eine zweite Amtszeit.
Selbst in der Außenpolitik kann er aber keine komplette Kehrtwendung vollziehen, oder?
Natürlich können wir nicht von heute auf morgen den Irak verlassen, das muss schrittweise geschehen. Und der künftige Präsident muss mehr Truppen nach Afghanistan schicken, die Lage ist sehr gefährlich. Das ist eine der Sachen, die ich bei Bush nicht verstanden habe. Nach dem Sieg über die Taliban hätten wir umfangreiche Truppen dort stationieren und viel Geld aufwenden müssen, um das Land zu sichern und aufzubauen. Aber sie haben einfach die Soldaten abgezogen.
John McCain gilt als Kriegsheld, präsentiert sich als Entscheider mit außenpolitischer Erfahrung, und viele Amerikaner scheinen das zu mögen.
Er hat eine persönliche Tragödie erlebt, ist gefoltert worden. Daraus kann man allerdings keine besondere Eignung als Präsident konstruieren. Meiner Ansicht nach ist er unberechenbar. Er hat einen sehr sprunghaften Charakter, ist in manchen Situationen völlig unbeherrscht. Als Staatschef wäre er gefährlich.
Dennoch ist McCain in den Umfragen alles andere als abgeschlagen, erst in den letzten Tagen scheint Obama von der Krise zu profitieren.
Neben der Rasse spielt ein anderes Argument eine Rolle: Obama sei elitär. Hillary Clinton hat damit angefangen, McCain hat es aufgegriffen. Dabei kommt Obama von ganz unten: Sein Vater hat die Familie verlassen, seine Mutter lebte von Lebensmittelmarken. Nur weil er es auf eine gute Uni schaffte, wird er als elitär gebrandmarkt, und McCain, dessen Vater der Navy-Chef war, ist der volkstümliche? Ich kapier' das nicht mehr.


