Dahinter steckt auch der Gegensatz zwischen der liberalen Stadt- und der konservativen Landbevölkerung. Kann ein neuer Präsident den überwinden?
Irgendwann muss das geschehen, und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es klappt. Wahrscheinlich brauchen wir eine Krise dafür.
Die haben Sie jetzt.
Und man sieht schon die ersten Auswirkungen. Die Republikaner haben sich stets gegen Staatseingriffe gewandt, plötzlich muss der Staat die Banken retten.
Die Krise wird Ihrer Ansicht nach das Land verändern?
Ja. Das ist jetzt keine kurzfristige Reparatur mehr. Wir sehen hier Veränderungen, die in langen Zyklen verlaufen: Im 19. Jahrhundert war der wilde Kapitalismus das Leitbild, dann zu Anfang des 20. Jahrhunderts seine Zügelung, vor allem durch Teddy Roosevelt: Zerschlagt die Trusts. Mit Milton Friedman ging es wieder zurück in die andere Richtung, und gegenwärtig erleben wir das Ende dieser von Friedman und seinen Anhängern dominierten Epoche.
Die Stimmung dreht sich zugunsten einer größeren Rolle des Staates?
Ich bin mir nicht sicher, wie schnell und bis zu welchem Grad das gehen wird. Man liest jetzt öfters, dass wegen der staatlichen Bankenrettung die Leute auch offener seien beispielsweise für eine allgemeine Krankenversicherung. Aber davon bin ich nicht überzeugt. Viele Amerikaner haben noch immer Angst vor einem "sozialisiertem Gesundheitswesen" - selbst wenn wir gerade den Kapitalismus verstaatlichen!
Vielleicht fürchten sie, das kreative, produktive Amerika könne unter zu viel Staatseinfluss leiden?
Genau darum geht es, und es ist schwer, die richtige Balance zu finden. Aber in den letzten Jahren sind wir so weit in die falsche Richtung abgedriftet, dass die Menschen dringend eine Kurskorrektur wollen.


