Zille zeichnete nach der Jahrhundertwende für erlesene Zeitschriften wie den „Simplicissimus“ oder die „Jugend – Münchner Illustrierte Wochenschrift für Kunst & Leben“. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges erschienen sein Bildband „Mein Milljöh“ und die Zyklen „Berliner Luft“ und „Hurengespräche“. Schnell brachte die ungeschminkte Darstellung von Prostituierten und Pornografie die Sittenwächter der Stadt auf die Barrikaden. Doch Zille blieb gelassen. „Gibt Dir das Leben eenen Knuff, dann weene keene Träne. Lach Dir nen Ast und setz Dir druff und baumle mit die Beene“, setzte er als Wahlspruch unter eines seiner Bilder.
Der Erfolg gab ihm recht. Für Kurt Tucholsky war er „die reinste Inkarnation Berlins“: „Du kennst den janzen Kleista – den ihr Schicksal: Stirb oda friß! Du warst ein jroßa Meista. Du hast jesacht, wies is“, urteilte der Schriftsteller über den Maler Zille.
Auf Empfehlung seines Freundes Max Liebermann wurde Zille, der „Raffael der Hinterhöfe“, schließlich zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste benannt. Fünf Jahre später starb er.


