Leipzig lädt zum Literaturmarathon: Mehr als 2000 Verlage aus 36 Ländern stellen auf der Buchmesse ihre Frühjahrs-Neuerscheinungen vor. Zum Messestart am Mittwoch zeigt sich die Branche in bester Stimmung und präsentiert „unglaubliche“ Umsatzzahlen.
HB LEIPZIG. Zum Start der Leipziger Buchmesse zeigt sich die Branche in bester Stimmung. „Im vergangenen Jahr ist der Buchumsatz auf den Hauptvertriebswegen Buchhandel, Warenhaus und E-Commerce um 3,9 Prozent gestiegen“, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, am Mittwoch wenige Stunden vor der Eröffnung am Abend. „Das ist eine unglaubliche Zahl für den Buchhandel, die nicht alleine auf Harry Potter, Hape Kerkeling oder Papst Benedikt zurückzuführen ist“, sagte Honnefelder. Besonders im Aufwärts-Trend lagen Science-Fiction, Fantasy und Krimis. Die Branche sieht laut Honnefelder nach den ebenso positiven beiden ersten Monaten 2008 freundlich in die Zukunft.
Beim Eröffnungsfestakt am Abend im Gewandhaus sollte der niederländische Autor Geert Mak den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten. Bis zum Sonntag werden auf der Schau rund 100 000 Besucher erwartet. Mehr als 2000 Verlage aus 36 Ländern präsentieren auf rund 63 000 Quadratmetern ihre Frühjahrs-Neuerscheinungen. Die vermietete Fläche und die Zahl der Aussteller stiegen nach Angaben der Messe um rund zwei Prozent.
» Die Messe im Web: leipziger-messe.de
„Man hat immer gesagt, das Buch geht unter. Im Augenblick werden wir eines Besseren belehrt“, sagte Honnefelder. Allerdings haben sich die Umsätze in den einzelnen Sparten unterschiedlich entwickelt. Einen Umsatzrückgang im Vergleich zu 2006 gab es bei der Belletristik. Auf das starke Plus von 4,1 Prozent 2006 folgte ein Rückgang um 1,9 Prozent. Der Umsatz mit Science-Fiction- und Fantasy- Literatur stieg um 8,7 Prozent, der mit Krimis um 4,2 Prozent. Der Hörbuch-Umsatz kletterte um 2,6 Prozent. In einer Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung (IfH) hat fast jeder zweite Buchhändler erklärt, das sich im zweiten Halbjahr 2007 Kinder- und Jugendbücher besser verkauften.
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Ob Belletristik, Comic oder Sachbuch: Auf der Buchmesse, die seit 2003 schwarze Zahlen schreibt, ist für Jung und Alt etwas dabei. Nicht nur auf dem modernen Messegelände vor den Toren der Stadt, sondern überall in Leipzig gewähren 1500 Schriftsteller und Prominente bei „Leipzig liest“ vier Tage und Nächte lang Einblicke in ihre neuen Werke. Bei Lesungen und Gesprächen gehen sie auf Tuchfühlung zu Fans und Kritikern. „Im hart umkämpften Buchmesse-Geschäft ist dieser Literaturmarathon ein ungeheurer Wettbewerbsvorteil“, sagte der Chef der Leipziger Messe, Wolfgang Marzin.
Schwerpunktland der Buchmesse ist diesmal Kroatien. „Aus diesem Land kommen 37 Autoren, von allen liegen jetzt deutschsprachige Publikationen vor“, sagte Buchmesse-Direktor Oliver Zille. Zudem werden 20 weitere Schriftsteller vom Balkan erwartet. „Wir wollen, dass es mehr interessante und kritische Bücher aus den mittel- und osteuropäischen Ländern in Deutschland gibt“, sagte Zille. Bislang seien etwa aus Kroatien jährlich maximal drei Werke auf dem deutschen Markt erschienen.
Auch für Eltern, Lehrer und Erzieher gibt es zahlreiche Angebote. 160 Veranstaltungen richten sich an Lehrer und Erzieher, 40 an Eltern. Im Forum „Kinder-Jugend-Bildung“ etwa können sich Pädagogen über aktuelle Unterrichtsmethoden informieren. Die Bertelsmann-Stiftung organisiert am Donnerstag einen eintägigen Workshop „Kinder früher fördern - Wirksamere Bildungsinvestitionen“ mit dem Ökonomie-Nobelpreisträger James Heckman.

