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07.09.2008 
Art Berlin Contemporary

Leistungsschau ohne Messekorsett

von Christian Herchenröder

44 Galeristen laden zur ersten ABC - der Art Berlin Contemporary. Der Überblick ist gut und soll Sammler anlocken. Zu sehen sind unter anderem ein Triumphbogen aus Kunstschaum, ein Taschentuch-Kubus - und das "Laboratorium des Zweifels".

Eine Installation von Carsten Höller in der Tate Modern Gallery. Bei der Berlin Art Comtemporary ist ebenfalls ein Werk des Künstlers zu sehen. Foto: dpaLupe

Eine Installation von Carsten Höller in der Tate Modern Gallery. Bei der Berlin Art Comtemporary ist ebenfalls ein Werk des Künstlers zu sehen. Foto: dpa

BERLIN. Im Frühjahr schreckte die Organisatoren der Berliner Messe Art Forum die Meldung auf, dass Anfang September eine neue Leistungsschau zeitgenössischer Kunst im ehemaligen Postbahnhof an der Luckenwalder Straße stattfinden solle. Sie wurde als Kampfveranstaltung opponierender Berliner Galerien gewertet, die mit der etablierten Messe nicht zufrieden waren. Diese einflussreichen Händler hatten mit dem Gallery Weekend im Mai ihre Marktpotenz eindrucksvoll unter Beweis gestellt und setzen diese geballte Ausstellungsserie an diesem Wochenende fort.

Das Konzept der neuen Schau ähnelt der glücklosen Frankfurter Fine Art Fair, für die der heimische Galerist Michael Neff eine kojenlos durchkuratierte Schau entworfen hatte. Die Berliner Fronten verhärteten sich zunächst. Vonseiten der Messe verlautete, dass das Art Forum im Vorfeld Kooperationsbereitschaft signalisiert habe. Doch die von vielen Berliner Galerien kritisierte Verlegung des diesjährigen Art Forums auf Ende Oktober machte eine Parallelschau zunichte. Wenige Tage später gab die Messe bekannt, dass das Art Forum ab 2009 unter neuer Leitung stehen werde. Mit Eva-Maria Häusler und Peter Vetsch hatte man der Basler Messe zwei Altgediente abgeworben. Am 7. Juli schließlich verkündete die Messegesellschaft, dass im September 2009 Art Forum und ABC Art gleichzeitig stattfinden werden, um die Kräfte in der Stadt zu bündeln - eine mehr als vernünftige Entscheidung.

Nun also die erste Art Berlin Contemporary (ABC) als Vorlauf. Die 44 beteiligten Galerien konnten jeweils ein bis drei Künstler vorschlagen. In den zwei Hallen präsentieren sich jetzt 73 Künstler mit Skulpturen, Installationen und projizierten Bildern. Auf die Beratung von Michael Neff wurde verzichtet, er bleibt weiterhin Organisator des Gallery Weekend. Als Organisatoren der ABC Art treten Alexander Schröder und Martin Klosterfelde in Erscheinung, künstlerische Leiterin ist Ariane Beyn.

In dem leicht verkommenen Charme der alten Hallen können die locker arrangierten Werke ihre Eigenwirkung voll entfalten. Viele Galerien haben Monumentalwerke eingereicht, die sich erst auf den zweiten Blick als leichtfüßig und weniger sperrig erweisen. Zu diesen raumgreifend fragilen Arbeiten gehören die Kartonnagenwände von Olaf Holzapfel, die durch sanften Linienschwung des Stecksystems ihre Stabilität gewinnt (Galerie Johnen). Auch Thomas Rentmeisters Kubus aus Papiertaschentüchern (Galerie Scheibler) schöpft seine Wirkung aus der Spannung von Masse und Leichtgewicht. Und auch der von Pablo Alonso dem römischen Titusbogen nachempfundene Triumphbogen aus Papier und Kunstschaum ist kein Schwergewicht. Als scheinbar verharmlosendes "modello" problematisiert er Geschichte (35 000 Euro bei Jan Wentrup).

In der Mitte der großen Halle ist der Blickfänger dieser Messe schlechthin aufgebaut. Die Chinesin Yin Xiuzhen hat für ihre Stoffrotunde "Commune" zwei Wochen lang in Chemnitz arbeitslose Näherinnen beschäftigt, die in Containern der Stadt gesammelte Kleider zu Stoffbahnen zusammennähten, die jetzt die farbige Außenwand der turmförmigen Hohlskulptur bilden. Durch die Kopföffnungen der verarbeiteten Hemden und Pullover kann man ins Innere blicken, wo Nähmaschinen, Kisten, Stoffe den Eindruck suggerieren, als hätten die Näherinnen ihren Platz gerade verlassen. Die Galerie Ochs, die auch zwei aus kubischen Elementen zusammengesetzte Bodenskulpturen des Documenta-Stars Ai Weiwei aufgebaut hat, beziffert diese soziale Skulptur mit 350 000 Euro.

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