Auch die Veteranen der Minimal Art sind an dieser Leistungsschau beteiligt, die ohne Messekorsett die Vielfalt der Berliner Galerielandschaft und ihrer künstlerischen Positionen dokumentiert.
Buchmann fährt eine 2000 entstandene Arbeit von Daniel Buren mit Kuben, Rundelementen und Neon aus der Serie "Cabane éclatée" auf (300 000 Euro). Die Galerie Konrad Fischer zeigt eine große Holzblockarbeit ihres Hauskünstlers Carl André von 1979, die um die 300 000 Euro kostet. Den ironischen Kontrast zu diesem musealen Ensemble setzt das von Mehdi Choakri in ein Kabinett gesetzte Rondell aus 78 mit High-Heel-Sound beschallten Stahlblechfliesen, dem Sylvie Fleurie den Titel "Walking on Carl André" gab (70 000 Euro).
An traditionellen Positionen mangelt es nicht. In Nachbarschaft von Ernesto Netos mit Duftkräutern beschwerter Stoffskulptur "Three Stops for an Animal" (Galerie Max Hetzler) hat die Galerie eigen & art die überlebensgroße Bronze "Berserker II" von Stella Hamberg aufgestellt, die in drei Gussexemplaren für 120 000 Euro zu haben ist. Ein ganz besonderes Objekt, das mit der Reflexion von Innen- und Außenwelt spielt, ist das "Cine-Prisma" des Fotokünstlers Dieter Appelt (Galerie Kicken) - ein Polyeder, das den Projektionsgrund für Naturbilder bildet: im Innenraum Träger bewegter Bilder, im Außenraum Spiegel der Umgebung. Daniel Richter (Contemporary Fine Arts) hat am Eingang der zweiten Halle eine malerische Hütte für verletzte Füchse errichtet, und in der Mitte der Industrie-Basilika steht ein Triptychon in Altarformat des Collagenmalers Hans Weigand (Galerie Crone).
Von befremdlich banaler Anmutung ist ein mit Werkzeugkästen kombiniertes Schaufensterpuppendenkmal von Thomas Hirschhorn - aber vielleicht ist die ja so gewollt (Galerie Arndt & Parner). Eine mehr als kühle Ausstrahlung hat der mit Lautsprechern bestückte Mercedes von Carsten Höller, der ein propagandistisches "Laboratorium des Zweifels" repräsentiert (Galerie Esther Schipper) . Ein Kartonagen-Bogen von Tobias Putrih überspannt die Hallenmitte (Galerie Gregor Podnar). Er spannt in seiner sichtbaren Fragilität auch den Bogen zu entsprechenden Exponaten der großen Halle, die das Paradox leichtfüßiger Schwere vertreten. Das könnte auch eine Devise der neuen Messe sein, die ihre Individualität in der verkrusteten Patina der alten Posthallen voll entfaltet.
Kunst-Marathon
ABC Art Berlin Contemporary - Exhibition
Postbahnhof am Gleisdreieck Luckenwalderstraße 4 - 6 10963 Berlin U-Bahn-Station Gleisdreieck Bis zum 7.9., täglich 10 bis 20 Uhr Eintritt: 7 Euro (ermäßigt 5 Euro) Stündliche Führungen: 10 Euro pro Person; Anmeldung unter: Tel. +49 (0)30 78 95 90 65 oder guides@artberlincontemporary. com
Vernissagen weiterer Ausstellungen mit anderen Künstlern finden am Freitagabend in mehreren Dutzend Berliner Galerien statt.


