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09.07.2008 
Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau

Leitbilder für das Jenseits

von Martin Roos

Eine Austellung in Berlin zeigt antike Grabmalereien. Das Besondere: Die bemalten Steinplatten sind in ihrer ursprünglichen Position arrangiert. Die Betrachter treten ein in das Reich der Toten.

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin: Eine neue Ausstellung beschäftigt sich mit dem Tod. Foto: dpaLupe

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin: Eine neue Ausstellung beschäftigt sich mit dem Tod. Foto: dpa

BERLIN. Eine "völlig fremde Welt" war für Goethe das antike Paestum, das erst 25 Jahre vor seiner "Italienischen Reise", nämlich 1752, wiederentdeckt worden war. Die Ausstellung "Malerei für die Ewigkeit" bringt diese fremde Welt der Jenseitsvorstellungen von Menschen vor 2400 Jahren bis zum 28. September in den Berliner Martin-Gropius-Bau.

In Berlin habe man "in nie zuvor gesehener Weise den Eindruck, in eine Nekropole, eine Stadt der Toten, einzutreten, am offenen Grab zu stehen", sagt Bernard Andreae, Kurator der Ausstellung und ehemaliger Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom. "Die Malereien auf den großen Platten der Gräber von Paestum werden nur dann richtig verstanden, wenn man sie in der ursprünglich beabsichtigten Form betrachten kann."

43 bemalte Grabplatten aus dem "Museo Archeologico Nazionale di Paestum" sind in Berlin in großzügigen Räumen ausgestellt. Darunter sieben vollständig aufgebaute Gräber, in Vitrinen daneben die jeweiligen Grabbeigaben, vor allem kostbare Vasen und Rüstungen. Der originalgetreue Wiederaufbau der Gräber ist eine kleine Sensation, denn im Museum von Paestum lagen die in den 1960er-Jahren entdeckten Kalksteinplatten mit den Bildern aus dem vierten Jahrhundert vor Christus entweder im Depot, oder sie hängen wie Gemälde an der Wand, da der Boden des Museums sie nicht tragen kann.

In Frauengräbern sind oft Klagefrauen, Musikanten und Opferszenen dargestellt. In Männergräbern werden die Verstorbenen als große Kämpfer verehrt. Beliebt sind auch Wagenrennen, Lanzenstechen, Faustkämpfe und Jagdszenen: Der Jäger mit Speer verfolgt einen von seinen Hunden angefallenen Hirsch. Das "Grab des schwarzen Ritters" ist das bekannteste: Der heimkehrende Krieger betrauert seine verstorbene Frau.

Die Bilder in den lukanischen Gräbern waren nicht für die Nachwelt bestimmt, sondern dazu, den Toten ins Jenseits zu begleiten. Von diesem hatten die Lukaner eine vage Vorstellung, nicht weit vom Diesseits entfernt: Einer unverheirateten Frau malten sie eine Hochzeitsvase - mit dem Wunsch, sie möge im Jenseits heiraten. "In der Betrachtung der Bilder sollte Hoffnung für die Ewigkeit geschöpft werden", meint Andreae.

Paestum wurde etwa 600 vor Christus von den Griechen als "Poseidonia" gegründet. Mit der lukanischen Besiedlung im vierten Jahrhundert vor Christus wurde Poseidonia in "Paiston" umbenannt. Unter römischer Herrschaft verlor der Ort an Bedeutung. Im Mittelalter wurde der verlassene und versumpfte Ort aufgegeben und vergessen.

Über die Lukaner ist noch immer wenig bekannt. Literarische Zeugnisse ihrer Kultur haben sich kaum erhalten. "Auch darum stellen die Gräber von Paestum eine einzigartige Quelle dar, um Sitten und Gebräuche der damaligen Bewohner zu erkennen", erläutert Andreae.

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