Ein Lichtblick für Phillips de Pury war ein früher Willem de Kooning, den Händler Ivor Braka auf die doppelte Taxe steigerte: 3,5 Mill. Pfund oder 4,4 Mill. Euro.
Wer glaubte, diese wacklige Ouvertüre würde auf die Abendauktionen abfärben, täuschte sich. "Die Sammler sind objektbezogen und lassen sich dadurch nicht beirren. Für diese hohen Preise reichte die Qualität einfach nicht aus", sagte Kunstberater Jörg-Michael Bertz aus Düsseldorf. Er hatte recht.
Francis Bacon bleibt begehrtester Künstler der Saison. Bei Christie's überraschte ein Triptychon mit etwas über Din-A4-Format großen, verdrehten Selbstporträts. Vier Bieter wollten das nicht exzeptionelle Werk. Christie's Expertin Pilar Ordovaz bot 17,3 Mill. Pfund oder 21,8 Mill. Euro. Sie agierte am Telefon offenbar auf Anweisung des New Yorker Händlers Tony Shafrazi, der den Nachlass von Bacon vertritt.
Bei Sotheby's war das körnig gemalte Porträt von Bacons Lover George Dyer (Taxe um 8 Mill. Pfund) am attraktivsten: Ein Telefonkäufer wurde von einer Gruppe südostasiatischer Saalbieter auf 13,8 Mill. Pfund (17,3 Mill. Euro) gesteigert. Dagegen ging der Bacon, nach dem sich Museumsdirektoren die Finger geleckt hätten, eine verdrehte und gequälte Figur, bei 10 bis 15 Mill. Pfund zurück. Bacon kann was kosten, aber auch er muss gefällig sein.
Stütze von Sotheby's Abendauktion waren zwölf Lose der Sammlung Lauffs, die zusammen die Schätzung auf 19 Mill. Pfund verdoppelten. In den letzten Reihen saß die Erbengemeinschaft Lauffs, angeführt von der 90-jährigen Sammlerwitwe Helga Lauffs, und während Yves Kleins Anthropométrie "ANT 131", auf 900 000 Pfund geschätzt, in 100 000 Pfund-Schritten höher gesteigert wurde, ging ein freudiges Lächeln über die Gesichter der Enkelinnen. 4,2 Mill. Pfund (5,2 Mill. Euro) bezahlte ein Telefonkäufer gegen ein Züricher Sammlerpaar, das für "ANT 2" bereits 2,2 Mill. Pfund bewilligt hatte. Das rote Schwammbild "Re 3" brachte 3,2 Mill., und Händler Anthony Meier aus San Francisco bezahlte 1,9 Mill. Pfund für Piero Manzonis flauschiges "Achrome".
Künstler, um die es eine Weile ruhig war, machten Rekordsprünge, wenn wichtige Werke mit vernünftigen Taxen angeboten waren: Antony Gormleys Modell für den monumentalen "Angel of the North" mit über 5 Metern Flügelspannweite (2,2 Mill. Pfund, Taxe bis 800 000 Pfund) oder Marlene Dumas Großformat "The Visitor", ihr wichtigstes Werk in einer Auktion seit fast drei Jahren. Es war weit unter ihrem Höchstpreis attraktiv taxiert und verdreifachte die Schätzung mit 3,1 Mill. Pfund.


