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19.05.2006 
Literatur

McKinsey ist überall

von David Selbach

Neue Bücher, alte Argumente. Kritik an Unternehmensberatern kommt wieder in Mode. Leif seziert mit Hilfe von Insider-Interviews, internen Schulungsdokumenten und Rechnungshofberichten die Kultur der Unternehmensberater.

KÖLN. Julia Friedrichs war ganz kurz davor. Sie hätte mit Senatorstatus in den Chefetagen internationaler Konzerne einschweben und in den besten Hotels der Welt residieren können. Sie wäre nach ein paar Jahren irgendwo in der Geschäftsführung eingestiegen - als weiteres Mitglied eines mächtigen Netzwerks, das die Wirtschaft immer engmaschiger durchzieht.

Doch Friedrichs lehnte ab. Dafür hat sie aufgeschrieben, warum die größte und einflussreichste deutsche Unternehmensberatung sie einstellen wollte: Wegen ihres Stipendiums in Brüssel, ihres einnehmenden Wesens. Und wegen ihrer mathematischen Fähigkeiten im McKinsey-Aufnahmetest. Friedrichs hatte sich nur zum Schein beworben, um hinterher berichten zu können, wie die "Meckies" den Nachwuchs ködern: mit Einstiegsgehältern von 70 000 Euro, Dienstwagen und dem Bewusstsein, zu einer erlesenen Elite zu gehören.

Die Reportage der Jungreporterin ist das beste Stück in dem Buch des Journalisten Thomas Leif, der wieder die bekannten Vorwürfe gegen Consultants und ihre undurchsichtigen Geschäfte ins Feld führt: Sie machen ein großes Geheimnis aus ihrer Profession, kassieren riesige Tagessätze und liefern selten messbare Erfolge. Der Branche weht der Wind kräftig ins Gesicht.

Leif seziert mit Hilfe von Insider-Interviews, internen Schulungsdokumenten und Rechnungshofberichten die Kultur und das Geschäftsmodell der Unternehmensberater. Er kommt zu dem Schluss, dass Firmen wie McKinsey, Roland Berger oder Boston Consulting die Nachfrage nach ihrer Beratung erst selbst definieren und Klienten dann simple Standardlösungen im Powerpoint-Format auflegen. Eine gigantische Bluff-Branche.

Der Auftritt als Big Blender ist sogar Teil des Geschäftsmodells: Denn das Management hat sich mit den Beratern eine kapitalistische Adelskaste zugelegt. Unternehmen kaufen bei einer Beratung nicht nur den unverbrauchten, analytischen Blick von außen, wenn es drinnen nicht mehr weitergeht. Sie kaufen auch den Glanz messerscharfer jugendlicher Rationalität in Top-Anzügen. Und geben sich dem missionarischen Eifer dieser Propheten des Marktes hin.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Viele Praktiken sind unseriös.

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