Der Bestsellerautor Alexander McCall Smith ist bei uns noch relativ unbekannt. Das soll sich ändern: Zum Abschluss seiner Charmeoffensive in Deutschland besucht der Schöpfer von Precious Ramotswe, Botswanas erster und einziger Detektivin, die Buchmesse in Leipzig.
HB BERLIN. Seine Heldin ist die erste und einzige Detektivin von Botswana. Weltweit hat er 25 Millionen Bücher verkauft, Oscar- Preisträger Anthony Minghella führt Regie bei der Verfilmung. Der Bestsellerautor Alexander McCall Smith („The No. 1 Ladies' Detective Agency“) ist bei uns noch relativ unbekannt. Das soll sich ändern: Diese Woche hat seine Charmeoffensive in Deutschland begonnen. Zum Ende seiner ersten hiesigen Lesereise ist McCall Smith am Donnerstag bei der Buchmesse in Leipzig zu Gast. Er gilt als international höchst erfolgreich, seine Geschichten wurden in 42 Sprachen übersetzt. Dabei passiert in den Büchern eigentlich gar nicht so viel, verriet der Schotte bei seiner Lesung in Berlin.
Hauptfigur ist die freundlich-pfiffige Detektivin Precious Ramotswe, von Kritikern „die Miss Marple Botswanas“ genannt. Ramotswe ist „traditionell gebaut“ - nicht ganz schlank - und trinkt gerne Rotbuschtee. Am liebsten sitzt sie auf ihrer Veranda und denkt nach. In ihrem Detektivbüro in einer Autowerkstatt hat sie es mit untreuen Ehemännern, Erpressungen und kleinen Betrügereien zutun. Gemütlichkeit und Witz zeichnen die Detektivserie aus. Im jetzt auf Deutsch erschienenen Band „Blaue Schuhe für eine Kobra“ (Heyne Verlag) geht Ramotswe mit ihrer Assistentin Stöckelschuhe kaufen, die so spitz sind wie ein Überschallflugzeug. Und sie startet einen Diät- Versuch - zum Entsetzen anderer „traditionell gebauter“ Frauen.
Stört es McCall Smith, wenn man seine Bücher altmodisch nennt? „Das ist ein Kompliment“, sagt der 59 Jahre alte Autor, der mit seinem Bäuchlein, der runden Brille und den Goldknöpfen am Jackett wie ein Uni-Professor der alten Schule aussieht. Oft bekommt er Post von Lesern, die sagen, dass sie sich nach seinen Büchern besser fühlen oder dass sie ihnen Trost spenden. „Das nehme ich ernst“, sagt McCall Smith im Interview. Vier Bücher schreibt er im Jahr. Seine Geschichten seien warmherzig, unterhaltsam und ein Lesevergnügen, attestieren ihm Kritiker.
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McCall Smith wuchs in Simbabwe (damals noch Rhodesien) und Schottland auf. Bis vor kurzem war er Professor für Medizinrecht. Das im Süden Afrikas gelegene Botswana hat es seiner Meinung nach verdient, so positiv dargestellt zu werden. Der Tourismus profitiert. Mittlerweile gibt es „Mma Ramotswe“-Touren für Leser, die ins Land der Kalahari-Wüste reisen und dort nach dem im Buch beschriebenen Zebra Drive oder der Werkstatt „Speedy Motors“ suchen. In Kürze öffnet nahe der Hauptstadt Gaborone ein kleines Opernhaus, das „No. 1 Ladies' Opera House“, in einer umgebauten Werkstatt.
Auf Deutsch erschienen sind auch eine Reihe über Isabel Dalhousie, eine Kunstmäzenin und Hobby-Detektivin in Edinburgh, sowie die Abenteuer des schusseligen deutschen Professors Moritz von Igelfeld, den McCall Smith mit Jacques Tati und Inspektor Clouseau vergleicht. Beide Romanhelden wären auch Filmstoff. Aber erst einmal sind viele Leser auf Botswanas einzige Detektivin im britischen und amerikanischen Fernsehen gespannt.
McCall Smith hatte dabei einen ungewöhnlichen Besetzungswunsch. Er schlug dem Filmteam vor, dass die Gesundheitsministerin des afrikanischen Landes die Hauptrolle übernimmt. „Die haben gedacht, ich mache Witze“, sagte McCall Smith. Die im Amateurtheater erprobte Ministerin habe dann zwar nicht die Hauptrolle, aber eine kleine Rolle bekommen.
Einer der Produzenten ist Sydney Pollack, das Drehbuch stammt von Richard Curtis („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“). Nach dem Pilotfilm ist eine Serie geplant. Als Detektivin Precious Ramotswe ist nun im Film die Amerikanerin Jill Scott („Hounddog“) zu sehen. Ist die auch nicht zu mager? „Sie hat ihr Bestes getan, um noch „traditioneller gebaut“ zu werden“, verspricht McCall Smith.

