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23.11.2007 
Literatur per Mausklick

Mit den Ohren lesen

von Regina Krieger

Keine Frage: Hörbücher boomen. Und immer mehr Menschen holen sich ihre Literatur aus dem Internet. Die Zielgruppe der Anbieter sind „Menschen ohne Zeit“. Und so ist der typische Hör-Leser männlich, jung – und mobil.

Der vierjährige Niclas ist noch etwas zu jung, um in die Zielgruppe der Hörbuch-Anbieter im Internet zu passen. Foto: dpaLupe

Der vierjährige Niclas ist noch etwas zu jung, um in die Zielgruppe der Hörbuch-Anbieter im Internet zu passen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Was ist mit der zwölfjährigen Josy geschehen, die unter mysteriösen Umständen verschwand? Wurde sie entführt? Was ist los mit ihrem Vater, dem berühmten Berliner Psychiater Viktor Larenz? Wird er selbst zum Opfer seines Psychoduells mit der unbekannten Frau, die er behandelt, die unter Wahnvorstellungen leidet und die von Josys Verschwinden weiß? Sechs Stunden und sieben Minuten dauert es, bis sich das Rätsel löst – mit einem haarsträubenden Finale. So lang ist die Spielzeit des Hörbuchs „Die Therapie“ von Sebastian Fitzek in der ungekürzten Version.

„Die Geschichte ist richtig gut und bei uns seit einem Jahr der Top-Renner“, sagt Arik Meyer, Geschäftsführer der Münchener Audible GmbH. „Wir sind durch Internetrezensionen auf das Buch gestoßen.“ Mehr als 100 begeisterte Leser hätten den 2006 im Knaur Verlag erschienenen Krimi in den höchsten Tönen gelobt. „Endlich mal kein blutiger, sondern ein sehr, sehr gut aufgebauter psychologischer Thriller“, schrieb ein Fan. „Da war das Buch in den Buchhandlungen noch gar nicht bekannt“, sagt Meyer.

„Die Therapie“ und Fitzeks Nachfolge-Thriller „Das Amokspiel“ haben wie alle Krimis die meisten Downloads bei audible.de zu verzeichnen. Das Münchener Unternehmen, ein Joint Venture von Audible, Inc., Holtzbrinck Ventures GmbH, Random House (Bertelsmann) und Lübbe, hat schon 2004 einen neuen Lesertrend erkannt und bietet seitdem Hörbücher zum Herunterladen im Internet an, entweder im Einzelverkauf oder im Abonnement.

Noch ist die Größenordnung bescheiden – auf rund 95 000 neue Bücher pro Jahr kommen nur rund 2 000 Hörbuch-Neuerscheinungen –, doch aus den allerneuesten Zahlen lässt sich gleich ein doppelter Trend ablesen: Einmal haben Hörbücher Zuwachsraten, die nicht ohne sind. Eine Delle Anfang des Jahres, die die Rekorde von 2006 schmälerte, ist wieder aufgefüllt. Im Oktober stieg der Umsatz bei Hörbüchern im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent, wie der „Branchen-Monitor Buch“ des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels meldet. Allein im ersten Halbjahr wurden fünf Millionen CDs verkauft. Zum Vergleich: Bei den Taschenbüchern ging der Oktober-Umsatz um 5,7 Prozent zurück.

Zum anderen holen immer mehr Menschen sich ihr Buch aus dem Internet, es gibt in Deutschland rund 20 Portale. Krimis und Science-Fiction-Hörbücher sind die Spitzenreiter unter den rund 6 000 deutschsprachigen Titeln, die Marktführer audible.de im Programm hat.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum kommt die Belletristik bei den Downloads erst an dritter Stelle?

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