Christian Woll, unser Seminarleiter, kurzärmliges Hemd und Krawatte, hat "schon mal was vorbereitet". Das Flipchart ist aufgebaut, daneben hängt eine Parfüm-Genealogie. "Leider sind die jüngsten Parfüms darauf von 1995", bedauert er. Das Bedauern sollte ihm von Herzen kommen, denn seither hat sich viel getan auf dem dynamisch wachsenden Mark der Düfte, denke ich.
Auf seinem Tisch stehen Pipettenfläschchen mit der Aufschrift Muscy, Floral, Spicy, Woody, Leathery, Animalic und anderen wohlklingenden Bezeichnungen. Doch der Vormittag ist der Theorie gewidmet, aber keineswegs grau.
Die Geschichte des Parfüms ist schnell erzählt: Sie begann vor 5 000 Jahren in Ägypten, dann kommt Ludwig XIV. ins Spiel. An seinem Hof wusch man sich bekanntlich nicht und überdeckte die unvermeidlichen Gerüche mit schweren Parfüms. Als später die Hygiene entdeckt und populär wurde, wurden die Riechstoffe leichter.
Woll erzählt von Kopf-, Herz- und Basisnoten, aus denen jedes Parfüm komponiert ist, und den verschiedenen Kategorien: pudrig, orientalisch und blumig. Kleine Schweißtropfen auf seiner Stirn zeigen, dass er mit Feuereifer bei der Sache ist. Wir sind andächtig still. Zehn Kugelschreiber flitzen übers Papier und füllen Seite um Seite. Als er an Kindheitserinnerungen, den Duft von Vanillewaffeln, frisch gemahlenen Kaffee und den Garten der Mutter im Sommer, rührt, hat er uns in seinem Bann.
Um zu erklären, wie mühsam die Parfümherstellung früher war, zeigt er einen Ausschnitt aus Patrick Süsskinds Film "Das Parfüm" und erklärt dazu, dass man 5 000 Kilogramm Rosenblüten braucht, um ein Kilogramm reines Rosenöl zu gewinnen. Schon im Mittelalter war die südfranzösische Stadt Grasse für ihre Parfümmanufakturen berühmt. Angereichert mit und angespornt von all dem Wissen, schreibe ich mein Rezept für "mein" Parfüm auf, das ich am Nachmittag mischen will.


