Und dann ist es Zeit für das Zwei-Gänge-Mittagsmenü. Aber so viel Zeit wieder auch nicht. "Ich mach jetzt mein Parfüm", verkündet Beate, als wir wieder im Raum fünf eintreffen, "und dann fahr ich nach Hause." Das ist gleich im Nachbardorf, und sie riecht energisch an einem herumgereichten Fläschchen nach dem anderen.
"Hm" - "Das ist aber süß" - "Nee, nicht mein Ding" - "Wo ist denn Vanille?": Die Kommentare werden aufgeregter, das Tun hektischer.
Wir sind nur noch Nasen, die schnüffelnd den ultimativen Duft finden wollen, und die Entscheidungen fallen keineswegs leicht. "Da hängt ja die Zukunft von ab", orakelt Ursula und lässt zwei Tropfen Ozon in ihr Mischglas fallen. Ich nehme dreimal Leathery.
Das meiste Gekicher und Gelächter erntet "Animalic". "Hören Sie mal, ich muss noch nach Hause fahren", empört sich Beate, als Woll ihr empfiehlt, davon zu nehmen. Und auch Johanna verzichtet pikiert auf Animalisches. Und trotz solcher offenbar nicht geteilter Vorlieben ist Wolls Rat bis zum Schluss gefragt: "Hier würde ich noch etwas holziges oder etwas Ambra dazugeben, und da fehlt die Basis." Er bringt es fertig, alle Düfte schön zu finden, ohne unaufrichtig zu wirken.
Als er die zehn Eau-de-Parfum-Flakons nach und nach mit Alkohol auffüllt und druckversiegelt, sprudelt es aus Anne heraus: "Es hat was ... Romantisches!" "Wie es uns gebührt in unserem Alter", ergänzt Beate. Das hätte dem Geheimrat Goethe gefallen. Er war ein großer Liebhaber des Eau de Cologne.


