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19.04.2008 

Eines ist dabei allen im Westen erschienenen Büchern über Tibet gemeinsam: Die Sympathien liegen auf der Seite des langsam von der chinesischen Assimilierungspolitik in seinem eigenen Land an den Rand gedrängten Volkes. Gerade deshalb ist Khetsuns Buch interessant, weil trotz der Opferperspektive zumindest die verschiedenen Phasen der chinesischen Herrschaft spürbar werden - eine relativ liberale Phase von 1950 bis zu den Unruhen 1959. Eine Terrorherrschaft von 1959 bis 1979, danach wieder eine liberale Phase bis zu den Studentenprotesten in Peking 1989.

Den besten und einfachsten Einstieg in das Thema ermöglicht sicherlich das Buch von Klemens Ludwig. Zwar wird es publikumswirksam unter dem Titel "Dalai Lama" verkauft. Doch Ludwig bietet in Wahrheit eine Einführung in alle Aspekte der tibetischen Geschichte, unterteilt in lesefreundliche kleine Kapitel.

Für diejenigen, die sich vor allem für die Person des Friedensnobelpreisträgers interessieren, hat Pico Iyer ein sehr persönliches Psychogramm über den Dalai Lama geschrieben. Schon sein Vater war mit diesem befreundet, er selbst kann die Bewunderung für den Mann nicht verbergen. Doch auch bei ihm werden Spannungen klar - der Kampf des Dalai Lamas um einen einheitlichen Glauben, etwa gegen die Shugden-Sekte; sein Konflikt mit zornigen jungen Exiltibetern, die für Freiheit nicht beten, sondern kämpfen wollen.

"Authenticating Tibet" bietet den konträren Ansatz, nämlich größtmögliche Objektivität: Anne-Marie Blondeau und Katia Buffetrille hatten sich vorgenommen, mit den Mythen beider Seiten aufzuräumen, denen der Chinesen und denen der Exiltibeter. Basis ist eine chinesische Propagandabroschüre, die 100 Fragen zu Tibet stellte und beantwortete.

Das Buch dokumentiert nicht nur die offiziellen chinesischen Antworten, sondern lässt westliche Wissenschaftler die Fragen erneut beantworten. Wie kam es zu den blutigen Unruhen 1959? Welche Rechte haben Tibeter? Am Ende bedauert man, dass es nur 100 Fragen gibt. Denn in den meisten Kapiteln sind die Autoren ihrem Anspruch gerecht geworden: "Propaganda vereinfacht komplizierte Sachverhalte. Wissenschaft verkompliziert, was einfach aussieht."

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Ein echtes Kleinod

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