Das wahre Kleinod in der Auseinandersetzung mit Tibet aber ist das nur 93-seitige Werk von Edward Fox, geschrieben lange vor der derzeitigen aufgeregten Debatte. Es ist die Geschichte eines Ungarn, der Anfang des 19. Jahrhunderts auf das Dach der Welt reiste - besessen von der Theorie, dass die Ursprünge der Ungarn im Himalaya liegen. Je weiter man dem unglaublichen Lebensweg des Alexander Csoma de Körös folgt, desto faszinierender wird das Buch.
Sein Weg über die Universität Göttingen durch den Nahen Osten bis nach Tibet vermittelt ganz nebenbei ein Gefühl dafür, warum viele Europäer von Tibet bis heute so fasziniert sind - und welcher Spielball der Großmächte die Region schon früher war. Auch damals prallten westlicher Materialismus und tibetische Spiritualität, Moderne und eine selbst für den ersten Tibet-Enthusiasten Csoma schmerzliche Rückständigkeit in diesem von Bergketten umschlossenen Landstrich aufeinander.
Genau dieser Kontrast ist es übrigens, der heute fortschrittsgläubige Chinesen auf die Tibeter herabschauen lässt - und sie gleichzeitig fasziniert. Iyer erwähnt das Buch einer chinesischen Journalistin, deren Bericht über die tibetischen "Wilden" in eine fast bewundernde Beschreibung einer magischen Unschuld abgleitet. Das Buch, so Iyer, erinnere ihn an die Überlebensberichte der ersten von Indianern verschleppten amerikanischen Siedler.
ANNE-MARIE BLONDEAU, KATIA BUFFETRILLE (Hrsg.): Authenticating Tibet. Answers to China's 100 Questions University of California Press, Berkeley 2008, 364 Seiten, 14,95 US-Dollar.
TUBTEN KHETSUN: Memories of Life in Lhasa under Chinese Rule Columbia University Press, New York 2008, 344 Seiten, 32,50 US-Dollar.
PICO IYER: The Open Road. The Global Journey of the Fourteenth Dalai Lama Bloomsbury, New York 2008, 288 Seiten, 20,80 US-Dollar.
KLEMENS LUDWIG: Dalai Lama Beck, München 2008, 191 Seiten, 9,95 Euro.
EDWARD FOX: Der Mann, der zum Himmel ging. Ein Ungar in Tibet Wagenbach, Berlin 2006, 96 Seiten, 13,90 Euro.

