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11.10.2007 
„Bedauerlich“

Reich-Ranicki nörgelt über Nobelpreis für Doris Lessing

Höchst ungnädig hat Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki auf die Vergabe des Literaturnobelpreises an die englische Autorin Doris Lessing reagiert. Restlos begeistert ist dagegen Linkspolitiker Gregor Gysi, was mit Politik allerdings wenig zu tun hat.

Marcel Reich-Ranicki. Foto: dpaLupe

Marcel Reich-Ranicki. Foto: dpa

HB LONDON/FRANKFURT. Reich-Ranicki nannte die Entscheidung des Nobelpreiskomitees „enttäuschend“ und „bedauerlich“. Er sei der Ansicht, dass die angelsächsische Welt, „viele, jedenfalls mehrere bedeutendere, wichtigere Schriftsteller hat“. Er habe erneut erwartet, dass Philip Roth oder John Updike ausgezeichnet werden. „Weder der eine, noch der andere hat den Preis bekommen, na ja.“

Reich-Ranicki sagte, er habe von Lessing „vielleicht drei“ Bücher gelesen. Das sei aber schon lange her. „Nichts hat mich wirklich beeindruckt.“ Er sei aber nicht überrascht über die Entscheidung der Jury. „Wir hatten ja mehrere Autoren, die im Laufe der letzten Jahre den Preis bekommen haben, wo es eigentlich ganz und gar unbegreiflich war.“ Als Beispiele nannte er „Dario Fo mit Sicherheit und auch eine deutschsprachige Autorin“, ohne die Österreicherin Elfriede Jelinek namentlich zu nennen, die 2004 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden war.

Versöhnlicher ließ sich der Literaturkritiker Denis Scheck vernehmen. „Eine gute Entscheidung, aber eine Entscheidung, die zwanzig Jahre zu spät kommt“, sagte er auf der Frankfurter Buchmesse. „Politisch ist die Entscheidung zu begrüßen, weil hier eine Vorkämpferin des Feminismus und des Anti-Rassismus geehrt wird. Ästhetisch dagegen ist es eher eine Pleite.“

Gregor Gysi reagierte nach Angaben der Linksfraktion mit großer Freude auf die Verleihung des Preises an seine Tante Doris Lessing. Gysi habe einen guten Kontakt zu Lessing und habe sie erst vergangene Woche in Hamburg getroffen, hieß es aus der Fraktion. Doris Lessing ist eine angeheiratete Tante von Gysi. Sie war in zweiter Ehe (1944 bis 1949) mit dem deutschen Emigranten Gottfried Anton Nicolai Lessing verheiratet, einem Bruder von Gysis Mutter Irene.

Lessing selbst erfuhr nach Darstellung ihres Agenten beim Einkaufen davon, dass ihr der Preis zugesprochen wurde. Die 87-Jährige habe die Preisverkündung gar nicht verfolgt, sagte eine Sprecherin der Literaturagenten Jonathan Clowes Ltd., die Lessing seit Jahrzehnten vertreten. „Sie wusste noch gar nichts davon“.

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