8 Bewertungen ****
08.08.2008 
Rezension

Rezension: Kompaktes Wissen für den Manager

von Bert Fröndhoff

Zehn Bücher sind in die engere Wahl für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2008 gekommen. Eine hochkarätig besetzte Jury entscheidet nun über den Gewinner, der am 16. Oktober im Rahmen einer festlichen Veranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet wird. Bis dahin stellt das Handelsblatt jede Woche einen der Kandidaten vor. Den Auftakt macht Nils Bickhoffs „Quintessenz des strategischen Managements“.

Zehn Bewerber sind in die engere Wahl zum Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2008 gekommen. Illustration: hb

Zehn Bewerber sind in die engere Wahl zum Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2008 gekommen. Illustration: hb

DÜSSELDORF. 136 - so viele, oder besser gesagt so wenige Seiten hat das Buch „Quintessenz des strategischen Managements“, geschrieben von dem Unternehmensberater Nils Bickhoff. Die Zahl ist bemerkenswert: Schließlich schreibt Bickhoff über ein schier unerschöpfliches, kaum abgrenzbares Thema, zu dem es bereits Hunderte Bücher, wissenschaftliche Abhandlungen und Ratgeber gibt. Bickhoff wagt einen Ritt durch das Wissen über strategisches Management und verspricht dem Leser – sprich Manager –, nur das zu vermitteln, was er zum Überleben im Wettbewerb braucht.

Dieses Vorhaben erscheint sehr ambitioniert, denn schon zu einzelnen Aspekte der Unternehmensstrategie und deren Umsetzung verfassen gestandene Harvard- oder Wharton-Professoren Wälzer von locker mehr als 500 Seiten. Doch fehlt denjenigen, die dieses Wissen in der Praxis der Unternehmen anwenden sollen – also den Managern –, meist die Zeit zur Lektüre dieser Bücher. Nicht nur dieses Manko will Bickhoff beheben: „Obwohl es unzählige Absolventen der Betriebswirtschaftslehre gibt und obwohl diese und andere Personen Strategien entwickeln, fehlt den meisten Anwendern ein grundlegendes Verständnis für Strategiebegriff und Strategieprozess“, schreibt der 1969 geborene Berater und Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg im Vorwort.

Bickhoff fängt daher ganz von vorn an: Er beschreibt die Ursprünge des Begriffes Strategie, der aus der militärischen Führung kommt, zitiert den altbekannten preußischen General und Kriegstheoretiker Carl von Clausewitz („Strategie ist die Ökonomie der Kräfte“) und nimmt Hannibals Überraschungsangriff auf Rom über den Alpenweg als gelungenes Beispiel dafür, was eine gute strategische Analyse und Umsetzung bringen kann.

Nach diesem knappen historischen Abriss konzentriert sich Bickhoff auf die Elemente, die der Praktiker aus seiner Sicht für die Entwicklung einer Unternehmensstrategie braucht. Regelbrüche gehören für ihn dazu: Statt sich genau an die Regeln des Marktes zu halten, sollten Unternehmen mutiger diese Regeln durchbrechen, um erfolgreicher zu sein – so, wie Ryanair mit dem Billigflieger-Geschäftmodell einst den Luftverkehr aufmischte oder Ikea den Markt für Möbel und Einrichtung.

Bickhoff konzentriert sich auf Highlights aus der Strategieforschung: Etwa die an der Harvard Business School entwickelte Swot-Analyse, mit der Geschäftsmodelle auf Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren abgeklopft werden. Oder die Portfolio-Matrix, geschaffen von Bruce Henderson, dem Gründer der Boston Consulting Group. Sein Buch mündet in der ausführlichen Darstellung von vier aus seiner Sicht bedeutenden Managementkonzepten der zurückliegenden 20 Jahre, zu denen er Wachstumsstrategien und strategische Spiele zählt.

Gelernt hat Bickhoff sein Handwerk bei Roland Berger gelernt, heute betreibt er eine eigene Unternehmensberatung. Dieser Praxisbezug wird ihm geholfen haben, das in anderen Büchern oft sehr akademisch behandelte Strategie-Thema prägnant, nachvollziehbar und in einer auch für Nicht-Experten verständlichen Sprache aufzubereiten.

Nils Bickhoff: Quintessenz des strategischen Managements
Springer, Heidelberg 2008
136 Seiten, 24,95 Euro

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