Als wichtigster, gesteuerter Trend setzte sich jedoch die steigende Nachfrage nach Skulpturen fort. Werke mit bis jetzt durchaus noch erschwinglichen Preisen zogen empfindlich an. Beide Häuser nahmen mit insgesamt elf Werken des seit drei Jahren zunehmend stark gefragten Alberto Giacometti allein 72,6 Mill. Dollar ein. Christie’s setzte mit einer Figur aus dem nie vollendeten Projekt für den neuen Hauptsitz der Chase Manhattan Bank an der Wall Street, „Grande Femme debout II“ (1960), seinen neuen Höchstpreis. Gagosian Gallery, die seit zwei Jahren die Giacometti Foundation vertritt, kaufte die 274 Zentimeter zu 27,5 (unveröffentlichte Taxe 18) Mill. Dollar.
Aber auch Giacometttis frühe Gipsplastik „Homme (Apollon)“ (1929) begeisterte Privathändler Franck Giraud, der im Auftrag eines amerikanischen Kunden 3,6 (0,8/1,2) Mill. Dollar bot. Alberto Giacomettis seltene Gemälde in Grau- und Sepiatönen sind ebenfalls im Aufwind. „Portrait de Caroline“ (1964) setzte bei Sotheby’s den im vergangenen Jahr unternommenen Preissprung nun auf 14,6 (10/15) Mill. Dollar hoch. Kopf und Gesicht modellierte der Künstler sorgfältig, andere Körperpartien sind nur angedeutet.
Der Erfolg von Auguste Rodins wegweisender lebensgroßer Skulptur „Eve, grand modèle-version sans rocher“ (1881, Guss 1887) überraschte sogar Christie’s Experten. Eva verdoppelte ihren vorherigen Rekord auf 18,9 (9/12) Mill. Dollar.
Für die beiden angebotenen Bronzearbeiten Henry Moores begeisterte sich der Londoner Juwelier Laurence Graff bis weit über die Taxe hinaus, das häufig variierte Sujet „Family Group“ (1946, Guss 1969) kostete ihn 4,1 Mill Dollar. Auch die lustig bunte, hohe Bronzecollage „Personnage“ von Joan Miró (1967) erstaunte bei einem Ergebnis von 5,7 (3/4) Mill. Dollar.
Bei Sotheby’s reüssierte Giacomettis Biennalebeitrag „Femme de Venise VIII“ (1956) zu 10,1 (8-12) Mill. Dollar. Und seitdem Picassos großer Bronzekopf „Dora Maar“ im letzen Jahr mit 29,2 Mill. Dollar auf sich aufmerksam machte, holen auch seine Skulpturen langsam auf. Doris Ammann platzierte Picassos charmante marktfrische Kranich-Assemblage „La Grue“ (1951) zu 19,2 (10/15) Mill. Dollar, eines von vier je unterschiedlich gefassten Exemplaren, an die Spitze der abendlichen Skulpturenliste.


