Was halten Sie von Vanity Fair Deutschland, das ist doch das ideale Medium für Unterhaltungsjournalisten?
Lacht. Vanity Fair ist ein sehr gut gemachtes Blatt. Die Qualität, wie sie das amerikanische hat, wird das deutsche Magazin aber nicht bekommen. Deutschland hat immer schon ein Problem mit smartem Unterhaltungsjournalismus.
Ist das Projekt Vanity Fair Deutschland unter der Leitung von Ulf Poschardt Ihrer Meinung nach geglückt?
Ich habe mir Vanity Fair noch nicht genauer angeguckt. Unglücklicherweise herrscht auch da dieser Imagekrieg. Man hört so viele negative Sachen, dass man sich selber gar kein Bild mehr machen kann – was traurig ist – man gibt ihm noch nicht mal eine Chance. Ich kenne Ulf, und ich weiß, zu was er fähig ist, und ich kann nicht ein negatives Wort über Vanity Fair sagen.
Würden Sie sich unter anderen Voraussetzungen dort bewerben?
Lacht. Nee, ich warte darauf, dass die mich anrufen. Lacht wieder.
Sie würden dort also arbeiten wollen?
Ich würde dort sofort arbeiten – natürlich. Aber nur, wenn Ulf Poschardt mich anruft und sagt „wir brauchen dich“.
Hat sich denn irgendeiner der Journalisten und Ex-Kollegen, die in „Blow up“ erwähnt werden, jetzt bei Ihnen gemeldet? Gab es Reaktionen?
Einer meiner Kollegen, mein Förderer Claudius Seidl hat ja eine Geschichte geschrieben in der Sonntagsausgabe der „Frankfurter Allgemeinen“, wo er mich noch mal angreift, sich distanziert und Schutzbehauptungen aufstellt – das ist traurig.
Sie haben schließlich auch aus seinen Interviews Elemente geklaut. Das ist doch richtig?
Na gut, das ist die eine Sache. Ich habe viele meiner Helden in meinen Texten verwendet. Ich hab sie genommen, gesampelt und erwähnte ihre Namen nicht. Das hab ich auch mit Hemingway gemacht und Richard Ford. Ich habe viele Elemente in meine Texte reingesteckt, und Claudius sollte stolz sein, dass er in meinen Interviews vorkommt.
Was halten Sie davon, wenn über Sie Interviews erfunden werden?
Das wurde ja schon oft versucht. Dieses kleine Witzchen, dass man als Tom Kummer ein Interview faked. Man hat auch schon oft angefragt, ob ich mich selbst interviewen will. Ich hätte überhaupt kein Problem mit einem gefakten Interview. Aber leider sind die meisten gefakten Interviews, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden irgendwie scheiße, die kann man nicht lesen. Lacht.
Tom Kummer „Blow up“, Blumenbar Verlag, München 2007, ca. 272 Seiten, 18,90 Euro


