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18.09.2006 
„Adolf. Der Bonker“

TV-Sender finden Hitler-Satire gar nicht witzig

Der Zeichner Walter Moers hat sein jüngstes „Adolf“-Buch „Der Bonker“, das des Führers armseliges Leben in seinem Bunker auf den Arm nimmt, mit einem Filmchen auf DVD gewürzt. Damit hat der Satiriker jedoch allerlei Bedenkenträger auf den Plan gerufen, die meinen, das Thema eigne sich nicht für Scherze.

HB BERLIN. „Darf man das? Man muss!“ So beschied Walter Moers vor acht Jahren die Kritiker seines ersten „Adolf“-Comics. In dem Büchlein ließ der durch „Das kleine Arschloch“ bekannt gewordene Zeichner Adolf Hitler als weichlichen Verlierer durchs Leben gehen, der von Rechtsradikalen zusammengeschlagen wird und im zweiten Band sogar Selbstmord begehen will, während er über die Fehler seines Lebens nachdenkt („Äch hätte Rossland besser öber die Flanke angreifen sollen“).

„Adolf, die Nazisau“ war ein Erfolg und warf die Frage auf, ob man über einen der größten Massenmörder der Geschichte Witze machen dürfe. Inzwischen setzten Satiriker den Diktator in einer fingierten Werbung vor ein Glas Bier („Polen! Da hatte ich mal ein Lager.“), und die Karikaturisten Greser und Lenz brachten sogar die Serie „Der Führer privat“, in der Hitler in Pantoffeln und Nachthemd die Nachbarn um Ruhe bittet, „denn morgen wird schon um 5.45 Uhr zurückgeschossen“. Das dritte „Adolf“-Buch von Moers, „Der Bonker“, schien nichts Besonderes mehr zu sein - wenn da nicht der Film wäre.

Der Trickfilm, einem Musikvideo gleich, zeigt den computeranimierten „Föhrer“ in der Badewanne und beinebaumelnd auf dem Klo. „Chantré“-schlürfend beklagt er sich über die Welt („Der Zweite Weltkrieg macht keinen Spaß mehr“) und gibt sich trotzig: „Kapitulation, nö, da halt ich nix davon, ich habe über mir drei Meter Stahlbeton.“ Den Refrain singen Badeenten im „Adolf“-Design, Schäferhund Blondie hechelt dazu. Das Video gehört zu den am meisten heruntergeladenen Dateien im Internet, zu hunderttausenden wird die passende Internetadresse oder gleich das ganze Video in E-Mails verschickt. Und es ist umstritten.

Wie beim Comic vor acht Jahren wird in dutzenden Blogs gefragt: Darf man das? Linke und Rechte scheinen sich einig, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. „Wenn man weiterhin so lax mit diesem eigentlich überhaupt nicht lustigen Thema umgeht, wird es auch kein Wunder sein, wenn wir uns in zehn Jahren wieder in einem Bunker (Atombunker) finden werden“, schreibt ein Besorgter. Ein anderer meint, dass man sich nicht über etwas lustig machen dürfe, „wofür tausende Landser ihr Leben gelassen haben“.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Fans dominieren

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