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04.07.2008 
Stadt will im Streit nicht einlenken

Unesco setzt Dresden letzte Frist

Der Streit um die Waldschlößchenbrücke geht weiter: Die Unesco hat der Stadt Dresden nun eine letzte Frist gesetzt. Das Welterbekomitee fordert, den Bau der Brücke im Elbtal umgehend zu stoppen. Andernfalls werde Dresden in einem Jahr der Welterbetitel aberkannt. Doch die Stadt bleibt stur.

Ein historischer Seitenraddampfer fährt in Dresden am Standort der geplanten Waldschlößchenbrücke vorbei (Archivfoto vom 25.06.2007). Foto: dpaLupe

Ein historischer Seitenraddampfer fährt in Dresden am Standort der geplanten Waldschlößchenbrücke vorbei (Archivfoto vom 25.06.2007). Foto: dpa

HB DESDEN/QUEBEC. Die Stadt will dennoch am Brückenbau festhalten. Auch die neue Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) zeigte sich nicht kompromissbereit. Damit wird der Titelverlust immer wahrscheinlicher. Die Unesco entschied auf ihrer Tagung im kanadischen Quebec, das Dresdner Elbtal vorerst nicht von der Liste der Welterbestätten zu streichen. Dresden solle noch etwas Zeit gegeben werden, hieße es.

Die Kritiker des Vorhabens müssten eine Chance haben, sich durchzusetzen. Das Komitee forderte auch, bereits errichtete Teile der Brücke wieder abzureißen und als Alternative den Bau eines Tunnels in Betracht zu ziehen.

Das Komitee begründete seine Entscheidung auch mit der noch andauernden juristischen Auseinandersetzung. Das Verwaltungsgericht Dresden verhandelt derzeit über Klagen von Naturschutzverbänden gegen die Brücke.

Kulturrat spricht von allerletzter Chance

Der Deutsche Kulturrat begrüßte die Entscheidung. Der Spitzenverband der Bundeskulturverbände sprach von einer allerletzten Chance. Zugleich rief er die Verantwortlichen dazu auf, das Warnsignal ernst zu nehmen und endlich mit der UNESCO über tragfähige Alternativen zu sprechen. "Die Streichung des Welterbetitels wäre nicht nur für die Stadt, sondern auch für das ganze Land eine große, schwer hinnehmbare Blamage", erklärte Geschäftsführer Olaf Zimmermann.

Dresden wäre erst die zweite Stätte weltweit, die aus der Liste gestrichen würde. Erstmals hatte die Unesco einem Naturschutzgebiet im arabischen Oman 2007 den Titel wieder aberkannt.

Die Präsidentin des Nationalkomitees für Denkmalschutz, Eva Maria Stange, forderte: "Dresden sollte jetzt sofort den Brückenbau stoppen und eine Expertenkommission damit beauftragen, einen Tunnel zu prüfen." Was am Rhein gehe, müsse doch auch in Dresden machbar sein, sagte Stange, die auch sächsische Kunstministerin ist.

Das Dresdner Elbtal ist seit 2004 Unesco-Weltkulturerbe. Vor zwei Jahren wurde es auf die Rote Liste der gefährdeten Stätten gesetzt. Die geplante vierspurige Brücke verschandelt nach Ansicht der Unesco eine einmalige Kulturlandschaft. Gegen den Bau eines Tunnels hat das Gremium dagegen keine Bedenken.

Stadt sieht keine Chance für raschen Baustopp

Der amtierende OB Vogel rechnet aber nicht damit, dass es noch zu einem Kurswechsel kommt. Für einen sofortigen Baustopp gebe es keine Grundlage. Er verwies auf einen Bürgerentscheid und Entscheidungen bis zum Bundesverfassungsgericht, wonach die Brücke gebaut werden müsse. "Daher räume ich der heutigen Entscheidung kaum realistische Chancen ein, auch umgesetzt zu werden." Die neue Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), die im August ihr Amt antritt, erklärte, der Beschluss bedeute faktisch die Streichung von der Welterbeliste. Sie kündigte an, in jedem Fall am Bau der Brücke festhalten zu wollen. "Diese Brücke beeinträchtigt das Welterbe Dresdner Elbtal nicht." Jeder wisse, dass Dresden auch ohne den Titel Welterbestadt bleibe.

Bei dem Bürgerentscheid im Jahr 2005 hatten die Dresdner mehrheitlich für die Brücke gestimmt. Der Konflikt mit der Unesco war damals aber noch nicht absehbar. Orosz betonte, ein Verzicht auf die Brücke wäre gegen den Bürgerwillen und damit rechtlich höchst fragwürdig. Auch wäre es sehr teuer für Dresden, die halbfertige Brücke abzureißen, sagte Orosz.

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