Die Präsidentin des Nationalkomitees für Denkmalschutz, Eva Maria Stange, forderte: "Dresden sollte jetzt sofort den Brückenbau stoppen und eine Expertenkommission damit beauftragen, einen Tunnel zu prüfen." Was am Rhein gehe, müsse doch auch in Dresden machbar sein, sagte Stange, die auch sächsische Kunstministerin ist.
Das Dresdner Elbtal ist seit 2004 Unesco-Weltkulturerbe. Vor zwei Jahren wurde es auf die Rote Liste der gefährdeten Stätten gesetzt. Die geplante vierspurige Brücke verschandelt nach Ansicht der Unesco eine einmalige Kulturlandschaft. Gegen den Bau eines Tunnels hat das Gremium dagegen keine Bedenken.
Stadt sieht keine Chance für raschen Baustopp
Der amtierende OB Vogel rechnet aber nicht damit, dass es noch zu einem Kurswechsel kommt. Für einen sofortigen Baustopp gebe es keine Grundlage. Er verwies auf einen Bürgerentscheid und Entscheidungen bis zum Bundesverfassungsgericht, wonach die Brücke gebaut werden müsse. "Daher räume ich der heutigen Entscheidung kaum realistische Chancen ein, auch umgesetzt zu werden." Die neue Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), die im August ihr Amt antritt, erklärte, der Beschluss bedeute faktisch die Streichung von der Welterbeliste. Sie kündigte an, in jedem Fall am Bau der Brücke festhalten zu wollen. "Diese Brücke beeinträchtigt das Welterbe Dresdner Elbtal nicht." Jeder wisse, dass Dresden auch ohne den Titel Welterbestadt bleibe.
Bei dem Bürgerentscheid im Jahr 2005 hatten die Dresdner mehrheitlich für die Brücke gestimmt. Der Konflikt mit der Unesco war damals aber noch nicht absehbar. Orosz betonte, ein Verzicht auf die Brücke wäre gegen den Bürgerwillen und damit rechtlich höchst fragwürdig. Auch wäre es sehr teuer für Dresden, die halbfertige Brücke abzureißen, sagte Orosz.


