0 Bewertungen
22.11.2006 
Kulturkreis des BDI verschenkt Kunstsammlung

Ungeklärtes Verhältnis

von Christoph Nesshöver

Es ist ein großer Tag. Der Kulturkreis des BDI schenkt der Stadt Leipzig seine Kunstsammlung. Es ist ein Sieg des klassischen Mäzenatentums der Wirtschaft für die Kultur – ohne Image- und Publicity-Kalkül. Doch solche Gaben werden immer seltener.

LEIPZIG. Ein grauer Stuhl, ein schwarzer Stuhl, zwei Tische mit Stahlbeinen: An sich sind die beiden Herren größere Bühnen gewöhnt. Aber es geht um Kunst. Die hängt hinter ihnen an den weißen Wänden, und auf sie kommt es heute an. Deshalb sitzen Clemens Börsig, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, und Arend Oetker, Spross des Back-Imperiums und BDI-Vizepräsident, in der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig auf so kargem Mobiliar.

Es ist ein großer Tag. Gleich wird Börsig GfZK-Direktorin Barbara Steiner die Kunstsammlung schenken, die der Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft im BDI zusammengetragen hat. Die 50 Werke deutscher Künstler wie Hans Hartung, HAP Grieshaber, Ewald Mataré, Ernst Wilhelm Nay und Fritz Winter bleiben von nun an in Leipzig. Fünf Mill. Euro ist die Sammlung wert, für die Stadt aber sei sie von „unschätzbarem Wert“, bedankt sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Es ist ein Sieg des klassischen Mäzenatentums der Wirtschaft für die Kultur – ohne Image- und Publicity-Kalkül. Doch solche Gaben werden immer seltener. „Das Verhältnis von Kunst und Wirtschaft ist nicht geklärt“, sagt Direktorin Stein. Das heißt auch, dass die Kunst sich um ihre Unabhängigkeit sorgt in Zeiten des zielgruppenorientierten Sponsorings.

Die Übergabe der Sammlung des Kulturkreises an Leipzig ist das Ende einer Geschichte, die im Sommer 1989 begann. Da reiste eine Delegation des Kulturkreises durch DDR-Museen und -Ateliers und schnappte die Idee des Kunsthistorikers Klaus Werner auf, ein Stiftermuseum in der DDR zu schaffen. Emigrierte Ostdeutsche Künstler sollten es mit ihren Werken füllen.

Die Mauer fiel, die Idee wandelte sich. Der Kulturkreis, angetrieben von seinem damaligen Vorsitzenden Oetker, bot der Stadt Leipzig seine Sammlung an, wenn die im Gegenzug eine Galerie bereitstellt – ein perfektes Public-Private-Partnership. Um den Umbau der Villa Herfurth in Leipzig zur Galerie zu bezahlen, verkaufte der Kulturkreis 75 Werke aus der Zeit vor 1945. Erlös: vier Mill. Mark.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Klamme öffentliche Kassen rufen den Bürgersinn vieler Unternehmer auf den Plan.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Die Bundesligaklubs und Vermarkter haben alle Hände voll zu tun. 14 Verträge mit Hauptsponsoren oder Ausrüstern laufen Ende der Saison 2008/2009 aus. Acht weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in ...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor