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20.03.2007 
Hörbuch-Markt

Verlage entdecken Geschäft mit Downloadportalen

Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Das fragen sich Hörbuch-Fans und Verlage und sehen Downloadportale für Audio-Dateien als Zukunftsmarkt. Doch neben der Erschließung des jetzt noch kleinen Marktes machen den Verlagen vor allem illegale Downloads Sorgen.

Hörbücher brauchen nicht den Umweg über die gepresste CD. Verlage entdecken die Download-Portale. Foto: dpaLupe

Hörbücher brauchen nicht den Umweg über die gepresste CD. Verlage entdecken die Download-Portale. Foto: dpa

HB LEIPZIG. Der Knopf im Ohr ist schon fast ein modisches Accessoire geworden. Ob Jogger, Fahrradfahrer, Fußgänger oder Benutzer von Bussen, Bahnen - ohne ihren MP3-Player gehen vor allem viele jüngere Menschen nicht mehr aus dem Haus. Doch nicht nur Pop- und Rockmusik tönt aus den kleinen Kopfhörern der Geräte. Auch das gesprochene Wort in Form von Hörspielen, Lesungen und O-Ton-Features findet inzwischen seinen Weg zur "Multi-Tasking"-Generation. Ein neuer Markt für die Hörbuch-Verlage tut sich auf. Auf der Leipziger Buchmesse wird es wieder einen Ansturm auf die digitalen Hörinseln geben, die in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut wurden. Alle großen Medienhäuser, aber auch einige kleinere Verlage haben inzwischen Download-Portale für das legale Herunterladen der Audio-Dateien gestartet. Zu den bekanntesten Anbietern gehören www.claudio.de, www.audible.de, www.soforthoeren.de und www.libri.de.

Genauso wie der Musikindustrie bereitet allerdings auch den Verlagen das illegale Herunterladen große Sorgen. "Kurz nach Erscheinen und innerhalb eines relativ überschaubaren Zeitraums von etwa einem Monat hat die von uns beauftragte Anwaltskanzlei durch Stichproben rund 60 000 illegale Angebote alleine zu den "Harry Potter"-Hörbüchern und Frank Schätzings "Der Schwarm" im Netz ausgemacht", sagt die Sprecherin des Münchner Hörverlags, Heike Völker-Sieber. Die Anzahl illegaler Up- und Downloads könne gar nicht hoch genug angesetzt werden, da mit einer "extremen Dunkelziffer nicht entdeckter Angebote" gerechnet werden müsse.

"Bei vielen Online-Nutzern herrscht eine große Unwissenheit darüber, wie Hörbücher entstehen und wie viel eine Produktion kostet", sagt Joachim Leser vom Kein & Aber Verlag Zürich. "Jeder illegale Download schadet den beteiligten Künstlern", meint Barbara Widmann vom Patmos Verlag (Düsseldorf). Download-Portale dürften außerdem keine Dumpingpreise anbieten. "Sonst können aufwendige Produktionen künftig nicht mehr finanziert werden", erklärt Widmann. Bis in die Milliarden gehen die Kosten für außergewöhnliche Audio-Projekte wie Tolkiens "Herr der Ringe"-Saga oder Tad Williams "Otherland" mit allein 220 Schauspielern. Zu den Gagen für Sprecher, Autor, Regisseur, Übersetzer, Komponist, Musiker und Tontechniker kommen noch die Lizenzrechte für Text und Musik sowie Studiogebühren.

"Die Verlage arbeiten mit einer klassischen Mischkalkulation, dass heißt in unserem Fall 20 Prozent unserer Hörbücher machen den Gewinn, mit dem wir die anderen 80 Prozent mitfinanzieren", sagt die Hörverlag-Sprecherin. Bestseller machen so ambitionierte Projekte wie Peter Weiss' "Die Ästhetik des Widerstands" oder eine umfangreiche Edition mit Werken Samuel Becketts erst möglich. "Schlimm ist, dass das illegale Herunterladen immer noch als Kavaliersdelikt behandelt wird", sagt der kaufmännische Verlagsleiter von Steinbach Sprechende Bücher (Schwäbisch Hall), Peter Bosnic. "Das Thema Preise ist im Moment im Hörbuchmarkt ohnehin schwierig. Viele Anbieter sind zu preiswert und signalisieren den Endkunden, dass Hörbücher billig sein müssen."

Der Umsatz mit Online-Verkäufen von Audio-Büchern sind bei den meisten Verlagen nach einer Umfrage des Börsenvereins noch marginal. Kein & Aber-Sprecher Leser hat Zweifel, dass das Online-Geschäft die gekauften CDs irgendwann vollständig ablöst. "Der Umsatzanteil wird sicherlich steigen, aber das Bedürfnis nach Sinnlichkeit, nach Haptik wird unvermindert bestehen bleiben", meint auch Völker-Sieber. "Wir schätzen, dass es noch einige Jahre beides geben wird", sagt Bosnic.

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