In dem unterhaltsam, literarisch aber wenig anspruchsvollen Roman des Rechtsanwalts und Autors Georg M. Oswald werden Gesetze und Gerichtsverfahren so arrangiert, dass die Protagonisten den größtmöglichen Profit davon haben. „Vom Geist der Gesetze“ funktioniert nach dem Motto: „Ich helfe dir, du hilfst mir, dann bleiben wir am oberen Ende der Hierarchie.“ Ein Provinz-Politiker kommt in Bedrängnis, weil er einen Unfall mit Fahrerflucht begangen hat und seinem Fahrer dieses Delikt in die Schuhe schieben will. Staranwalt Ludwig Heckler versucht, Generalsekretär Schellenbaum da herauszuhauen, was ihm auch gelingt. Am Ende dürfen alle Mitspieler sich sogar gegenseitig in einer Talkshow auf die Schultern klopfen. Jeder will seine Schäfchen mit Hilfe legaler oder illegaler Rechtsverdreher-Spielchen ins Trockene bringen; sogar dem Opfer von Schellenbaums Fahrerflucht und den Zeugen ist daran gelegen, möglichst viel Geld herauszuholen.
Ganz anders ist der neue Roman von Bernhard Schlink angelegt. In seinem Buch „Das Wochenende“ geht es noch um die Visionen und die Ideale, die die 68er-Generation geprägt haben und die in ihrer Pervertierung zum Terrorismus führten. Ein alternder Terrorist wird nach 20 Jahren begnadigt und verbringt im Schonraum inmitten seiner Freunde ein Wochenende auf einem Landsitz. Die Freunde sympathisierten einst mit den Zielen der „Rote-Armee-Fraktion“, später landeten sie weich in bürgerlichen Berufen.
Was Schlink wie in einem Kammerspiel ausbreitet, ist eine psychologische wie politische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, innerhalb der alle Figuren etwas betulich die Beweggründe ihres Handelns ausbreiten dürfen. Ganz pragmatisch gehen die Jüngeren mit der linken Geisterbeschwörung um: Die Tochter eines Freundes bietet dem Ex-Terroristen Sex an, um ihn vom Post-Gefängnistrauma zu erlösen. Und so deutet sich auch in Schlinks Szenario an, dass auch hier bald die Pragmatiker regieren werden. Lösungsorientiert in allen Lebenslagen.


