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12.12.2005 
Kunstmarkt

Wunderwerke der Malerei

von C. Schaernack

Generationen von Bewunderern kultivieren ihr Bild von Fra Angelico und seinem Werk, ohne viel zu wissen, indem sie auf Anekdoten zurückgreifen. Das historische Verständnis des Beato Angelico ist zuerst durch seinen Dominikanerorden selbst befördert worden und ging später durch den großen Chronisten Giorgio Vasari in den Kanon der Legendenbildung ein. Fra Giovanni da Fiesole, so sein Ordensname, wurde dementsprechend zum religiösen Künstler schlechthin.

HB NEW YORK. Das Verständnis des kreativen Genius' als Funken "göttlicher" Eingebung wurde anhand der Person Fra Angelicos erstmals also aktenkundig - ein Konzept, das an den Ursprung künstlerischen Schaffens rührt.

Genau 50 Jahre ist es her, als die letzte große Fra-Angelico-Schau zu sehen war. Nun hat das Metropolitan Museum in New York insgesamt über 70 Gemälde, Altarteile und Zeichnungen des Meisters aus allen Schaffensperioden versammelt. Für viele ist dies eine Gelegenheit, wie sie nur einmal im Leben vorkommt.

Man wird sich natürlich trotzdem den Besuch in Florenz nicht ersparen können, um die großartigen Wandbilder in den Korridoren, Zellen und dem Kapitelsaal des Klosters San Marco zu bestaunen. Zusammen mit den Fresken des Refektoriums, die sich heute in Leningrad und Paris befinden, wird hier zum ersten Mal Fra Angelicos Konzeption religiöser Malerei deutlich: höchste Einfachheit der Bildstruktur und der Verzicht auf alle dekorativen Details, eine Aufforderung an den Betrachter, die Darstellungen mit eigenem religiösem Erleben zu erfüllen. Und auch ohne die Verkündigung aus dem Museo Diocesano in Cortona oder die majestätische Krönung Mariens (Louvre) muss man in New York auskommen.

Dafür bietet die Ausstellung im Metropolitan Museum eine überwältigende Fülle an neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen und Zuschreibungen; Bildfragmente werden erstmalig zusammengeführt und bekannte Gemälde teilweise frisch gereinigt und restauriert präsentiert.

Insbesondere in die frühen Lebens- und Schaffensjahre, seit Anbe-ginn Grund für weitläufige Spekulationen, bringt das Met mehr Licht. Schreibt Vasari noch, Fra Angelico sei im Alter von 20 Jahren bereits als vollendeter Künstler in den Konvent von S. Domenico in Fiesole eingetreten, bereitete schon die gewissenhafte Aufarbeitung in der italienischen Schau von 1955 zahlreichen Legenden ein Ende.

Nun werden die Anfänge des jungen Fra Angelico, der 1387 nahe Florenz als Guido di Pietro geboren wurde, deutlicher denn je in die Zusammenhänge seiner künstlerischen Entwicklungsgeschichte eingereiht. Dazu zählt auch die erstmalige Präsentation einer Verkündigungsszene auf zwei Medaillons, die Kurator Laurence Kanter als früheste bekannte Arbeiten ausschließlich von der Hand Fra Angelicos vorstellt. Sie entstanden vermutlich zwischen 1413/14 und 1417.

Lesen Sie weiter auf Seite 2:Aus der gleichen Zeit stammt das Fragment einer "Anbetung der Könige".

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