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25.03.2007 
Rezension

Zwei Berliner in New York

von Oliver Voß

"Lennon ist tot" heißt der zweite Roman von Alexander Osang. Der ehemalige New York-Korrespondent des Spiegel präsentiert darin einen modernen "Fänger im Roggen".

Alexander Osang - "Lennon ist tot", Quelle: S.Fischer Verlag

Alexander Osang - "Lennon ist tot", Quelle: S.Fischer Verlag

LEIPZIG. Robert Fischer kommt aus Berlin-Friedrichshagen nach New York. Eigentlich soll der 19-Jährige hier studieren, doch schon bald verschlägt es ihn in den Keller einer Detektei und er sichtet die Videobänder von Überwachungskameras. Ein verdächtiger Mann mit Mantel und Cleveland-Indians-Basecap zieht Robert in seinen Bann. Auf eigene Faust nimmt er die Fährte auf. Eine folgenschwere Entscheidung, die den Jungen auf eine mysteriöse Insel verschläg und aus der Bahn wirft.

Robert ist ein ganz normaler Junge auf der Suche nach der Liebe und sich selbst. Sehr treffend beschreibt 44-Jährige Alexander Osang dessen Gedankenwelt, vom Musikgeschmack, den Gefühlen zu Rose, Sadie und Lucy bis zum Drogenabsturz von Roberts Bruder in einem Berliner Technoclub ist das alles sehr authentisch.

Osang hat die vergangenen sieben Jahre in New York gelebt und als Reporter für den "Spiegel" gearbeitet. Er ist dreimal mit dem Kisch-Preis ausgezeichnet worden, der wichtigsten deutschen Ehrung für Journalisten. Sein literarisches Talent hat Osang in zahlreichen Kurzgeschichten und mit seinem Romandebüt "Die Nachrichten" bewiesen. Auch sein neues Buch ist gut erzählt, die immer wiederkehrenden inhaltlichen und sprachlichen Verweise auf J.D. Salingers "Fänger im Roggen" passen gut in die Geschichte.

Robert kommt mit extrem hohen Erwartungen in die Stadt, die ihm von seinem Vater aufgeladen werden. Auch für den in der DDR aufgewachsenen Osang war New York mit extrem hohen Mythen aufgeladen. "Das war für mich die unerreichbarste Stadt der Welt", sagt der Autor. "Solchen Träumen gerecht zu werden, ist selbst für New York extrem schwer." Aus der Sicht seiner Romanfigur klingt das dann so: "Das ganze Gerede vom Schmelztiegel New York war ziemlicher Quatsch von Leuten, die keine Ahnung hatten." So spielt Robert gerne das "Subwayspiel", dabei rät er meist genau welcher Fahrgast an welcher Haltestelle aussteigen wird.

Im zweiten Teil wird der Tod von John Lennon zum zentralen Motiv, dessen Mörder Mark Chapmann Salingers "Fänger im Roggen" in der Tasche trug. Robert Fischer stößt auf Spuren dieses Ereignisses, trifft Weggefährten des Sängers, die ihn in Verschwörungstheorien um die Rolle Yoko Onos verstricken und landet in Lennons Bett.

Dieser Teil spielt auf der Dünen-Insel Fire Island, um die sich zahlreiche Mythen ranken. Osang hat hier selbst gelebt, was die Faszination für diesen Ort erklärt. Doch in dieser Hälfte liegen auch die Schwächen des Romans. Während der Anfang durch seine Authentizität besticht, verursachen die Begegnung mit dem Berliner Malermeister Hans und Lennons Geistern teilweise das Gegenteil.

In Osangs Roman "Die Nachrichten" verdichten sich die Handlungsstränge immer weiter, dem Nachfolger fehlt es dagegen zum Ende an Dramaturgie und Spannung. Einige Teile wirken einfach wie an das Ende herangesetzt. Wie Holden Caulfield im "Fänger im Roggen" lässt sich Robert Fischer immer zielloser treiben. Doch auch der Roman wird dadurch etwas ziellos.

ALEXANDER OSANG Lennon ist tot S.Fischer, 314 Seiten, 17,90 Euro
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