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29.04.2005 
Bescheiden ist Hoffmann nicht

Zwischen Kunst und Kohle

von Carla Woter, Handelsblatt

Frank Hoffmann tritt nach Frank Castorf als Retter der Ruhrfestspiele ein schwieriges Erbe an - und freut sich darauf.

Frank Hoffmann liebt schwierige Aufgaben. Sein ganzes Leben lang schon sucht er die Herausforderung, gründet immer irgendwo ein Theater. Spielt, inszeniert, studiert. Und jetzt steht er vor seiner persönlichen Herkulesaufgabe: die Rettung der Ruhrfestspiele, die am 1. Mai beginnen. Schon als Kind war Hoffmann fleißig und begeistert. Er stammt aus einer intellektuellen, künstlerisch ambitionierten Luxemburger Familie: Der Vater ist Lehrer, hat eines der ersten Bücher über Heinrich Böll geschrieben und mit seinen Schülern eine Theatergruppe gegründet. „Wir sind viel zusammen ins Theater gegangen“, sagt Hoffmann. „Seine Freude am Theater habe ich geerbt.“ Hoffmanns Mutter ist Malerin mit internationalen Ausstellungen.

Eigentlich wohnt die Familie in der Stadt. Aber am schönsten ist es für ihn auf dem Land, bei seinen Verwandten. Vor allem liebt Hoffmann das Bauerntheater – und exportiert es kurzerhand. „Ich habe die Stücke mit meiner Schwester in der Garage nachgespielt, und zwar vor Publikum. Die Kinder aus der Nachbarschaft haben uns zugeschaut.“

Während der Schulzeit absolviert er eine Schauspielausbildung. „Ich wollte das. Lernen, wie man atmet, wie man spricht.“ Er sagt gern „Ich wollte das.“ Und wenn er was wollte, hat er es auch gemacht. Zum Beispiel: „Aber ich wollte auch studieren. Der geistige Austausch ist mir wichtig. Dinge in einen Zusammenhang zu setzen.“

Der heute 51-jährige Luxemburger, der im Gespräch ohne Mühe vom Deutschen ins Französische oder ins Luxemburgische wechselt, sieht immer noch aus wie ein Philosophie-Tutor, der gerade an seine Studenten die Klausuraufgaben verteilt hat und jetzt einen Moment Pause hat.

Brille, unmodisches Sakko, orangefarbenes Hemd, schwarze Jeans. Ein klassischer Gelehrter, dünn und mit hochgezogenen Schultern, dem es erst ein bisschen peinlich ist, über sich zu sprechen. Doch dann findet er Gefallen daran. Hoffmann, der eher einer kleineren, theaterinteressierten Gemeinde ein Begriff ist, will schon sagen, wer er ist und warum er genau der Richtige für das traditionsreiche Theaterfest in Recklinghausen ist, bei aller Zurückhaltung.

Denn Frank Castorf, Chef der Berliner Volksbühne, wurde letztes Jahr nach kurzem, aber intensivem, vor allem kostenintensivem Wirken von seiner Aufgabe als Festivalchef und Intendant befreit und entlassen. Mit 800 000 Euro Schulden hätte er die guten alten Spiele fast in die Insolvenz getrieben. Gegründet wurde das legendäre politische Theaterfest 1946, als Hamburger Theaterleute auf der Suche nach Kohle im Ruhrgebiet landeten und sich dafür auf ganz besondere Weise revanchierten: Kunst gegen Kohle und andersherum.

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