Hat sich Ihre Selbstsicherheit gesteigert, seit Sie die Vertragsverlängerung bei McLaren-Mercedes unterschrieben haben?
Ich denke ja. Dass das Team weitere fünf Jahre mit mir arbeiten will, ist großartig. Ich liebe es, dieses Auto zu fahren, ich liebe die Leute hier. Ich bin am richtigen Fleck.
Wie schwer ist es für Sie, bei McLaren-Mercedes als Nachfolger für Fernando Alonso mit zig Jahren Rennerfahrung betrachtet zu werden?
Alonso ist eine anerkannte Größe – der zweimalige Weltmeister. Nun Fernandos Position inne zu haben, ist etwas Neues. Aber ich weiß heute viel mehr über das Auto, über das Team, die Strecken, die Regeln und auch über mich selbst. Ich bin ein besserer Fahrer als vor einem Jahr. Und, ich bin jung und kann noch besser werden.
Hatten Sie das Gefühl, sich intern gegen ein Idol durchsetzen zu müssen?
Man muss außerhalb des Autos Respekt voreinander zeigen. Ich habe die Formel 1 in den Vorjahren aufmerksam verfolgt und gesehen, wie toll Fernando gefahren ist. Er hat mir gezeigt, wie man sich verhält und professioneller wird. Es wäre schön, wenn jemand mal in der Position ist, von mir zu lernen und dann sagt: ,Das ist der Weltmeister.‘
Was tun Sie konkret, um sich durchzusetzen?
Wenn Du in Deine erste Saison gehst und gleich gegen den Weltmeister fährst, ist das ein Privileg. Ich bewundere, was Fernando Alonso erreicht hat, aber der erste, den es zu schlagen gilt, ist immer der Teamkollege. Und das war mein Ziel. In Ungarn sind wir uns auf die Füße getreten (Anm. der Redaktion: Alonso hat Hamilton in der Boxengasse aufgehalten). Daraufhin habe ich ihn angerufen und gesagt: ,Wir müssen miteinander auskommen, also müssen wir reden.‘ Wir haben uns dann in einem Hotelzimmer in Istanbul vor dem Grand Prix ausgesprochen. Damit war für mich die Luft wieder rein.
Wie groß ist in den aktuellen Rennen die Rivalität zwischen Ihnen beiden?
Ich war traurig und enttäuscht, dass sich unsere Beziehung nicht verbesserte. Dieses Jahr hat Fernando bei Renault kein so konkurrenzfähiges Material. Daher fighten wir auf der Strecke nur selten gegeneinander.
Wie versuchen Sie Ihre vergleichsweise geringe Erfahrung wett zu machen?
Vergessen Sie nicht, dass ich in den vergangenen zehn Jahren in verschiedenen Klassen um Titel gekämpft habe. Ich bin stark genug, um alle Situationen im Rennen zu meistern. Dennoch wusste ich viel zu wenig über die Feinheiten eines Formel-1-Autos und auch über die Erfahrung des Verlierens. Sie ist sehr wichtig, denn sie macht einen noch stärker, sie formt die Persönlichkeit.
Wie gehen Sie mit Rückschlägen wie zuletzt beim Rennen in Montreal um, als Sie in der Boxengasse in den Wagen von Kimi Räikkönen krachten?
Mein Selbstbewusstsein wurde nicht angeknackst. Ich bin auch nicht niedergeschlagen oder enttäuscht. Es war einfach nur eines der Dinge, die man erleben und abhaken muss.
Wie optimieren Sie Ihr Durchhaltevermögen?
Ich trainiere meine Körperbeherrschung, meine mentale Fitness und vor allem übe ich mich in Disziplin. Das Zeitmanagement ist dafür sehr wichtig. Denn Erholen, um Kraft zu tanken, ist ein wichtiger Punkt in meinem Tagesablauf.
