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31.03.2008 

Lapindo lehnt jede Verantwortung ab und verweist stattdessen auf wissenschaftliche Gutachten, die in einem Erdbeben zwei Tage vor der Lusi-Katastrophe im knapp 300 Kilometer entfernten Yogyakarta mit mehr als 6000 Toten die Ursache sehen. Manchen Verfechtern der Erdbebentheorie aber wird in indonesischen Medien vorgeworfen, sie hätten sich von Lapindo kaufen lassen. Davies hält gar nichts von der Erdbebenthese: "Das Beben von Yogyakarta war wahrscheinlich zu schwach und zu weit entfernt."

Der Schlammvulkan zieht Neugierige an. Tausende kommen jeden Tag, um die Katastrophe mit eigenen Augen zu sehen. Der Weg hinauf zum dem provisorischen Damm um den Schlammsee führt über einen mehr als wackeligen Holzsteg. Einheimische verlangen 5000 Rupien "Eintritt". Oben auf dem Damm bieten fliegende Händler Getränke und Snacks an. Andere haben DVDs mit Videos und Fotos von der Katastrophe im Angebot oder verlangen für indonesische Verhältnisse Unsummen für eine Fahrt mit dem Moped zum zweiten Damm - nahe des Zentrums von Lusi, der ohne Unterbrechung heiße, grau-weiße Qualmwolken ausstößt.

Mein erster Eindruck: ein flacher, weiter See, der ruhig, grau und bleiern daliegt. Das Schreckliche gelangt erst peu à peu ins Bewusstsein, als ein bizarr aussehende Etwas, das einige Meter entfernt aus der Brühe ragt, als Dachgiebel erkennbar wird. Dahinter ein zweiter. Rechts lugen ein paar kahle Wände wie kariöse Zahnstummel aus dem Wasser. Etwas weiter ist in dem Morast eine Moschee versunken, von der nur noch das Dach zu sehen ist. Das ist alles, was der Schlamm von dem Dorf Kelurahan Siring übrig ließ.

Sämtliche Versuche, die Katastrophe einzudämmen, schlugen bislang fehl. Erst sollten versenkte Zementblöcke das Loch stopfen. Jetzt wird der 80 bis 100 Grad heiße Schlamm in den Fluss Porong gepumpt, der den Dreck in die Java-See transportieren soll. Die Fische im Porong überleben diese Maßnahme nicht. Leidtragende sind auch die vielen Krabbenfarmer in der Umgebung von Surabaya. Die Pumpen jedoch bewältigen die Schlammmassen nicht. Jetzt bereiten die Experten den direkten Abfluss des Schlamms in den Porong vor. Dem Versuch werden die drei Dörfer Besuki, Kedungcankring und Pejarakan geopfert. Weitere Menschen werden ihre Heimat verlieren.

Ein weiteres Problem stellt das Gas dar, das an mindestens achtzig Stellen aus der Erde austritt. Man sieht es nicht, man riecht es nicht - aber es ist hoch giftig und leicht brennbar. So wie die gut fünf Meter hohe Gas-Wasser-Fontäne, die in einem Dorf zwischen mittlerweile verlassenen Häusern emporschießt. "Die hat vorgestern gebrannt", erzählt Win, einer der wenigen Bürgerrechtler, die sich um die Nöte der Lusi-Opfer kümmern. "Sie mussten die Flughafenfeuerwehr aus Surabaya holen. Die hiesige Feuerwehr war nicht in der Lage, den Brand zu löschen."

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Keine wirkliche Zukunft

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