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08.05.2006 
Massentötung wegen Pest

50 000 Schweine müssen sterben

Nach dem erneuten Ausbruch der Schweinepest in Nordrhein-Westfalen hat das Land nun die radikale Bekämpfung der Seuche angeordnet. In einer vorsorglichen Massentötung sollen von Dienstag an rund 50 000 Schweine gekeult werden.

HB BORKEN/DÜSSELDORF. Dies sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Agrarministeriums am Montag. Damit werde jedes Schwein auf allen 96 Höfen innerhalb des Sperrbezirk im Drei-Kilometer-Radius um den Ausbruchsort der Seuche getötet. So solle ein unbemerktes Umsichgreifen der hoch ansteckenden Tierkrankheit vermieden werden. Für Menschen ist die Schweinepest ungefährlich.

Beim derzeitigen Ausbruch der Schweinepest handelt es sich um das siebte Auftreten der Seuche in Nordrhein-Westfalen seit Anfang März. Betroffen waren zunächst fünf Betriebe im Kreis Recklinghausen. Schließlich wurden am ersten April auch infizierte Schweine im rund 30 Kilometer entfernten Raesfeld (Kreis Borken) gefunden. Hier war die Schweinepest nach drei Wochen Ruhe am vergangenen Freitag auf einem Nachbarhof erneut diagnostiziert worden.

Seither waren Tierärzte und Helfer in Borken oft bis in die Nacht mit ersten Keulungen beschäftigt. Dabei töteten sie mittels starker Elektroschocks schon knapp 10 000 Sauen, Ferkel und Mastschweine. Diese Tiere lebten in Ställen mit hohem Infektionsrisiko – alle Höfe hatten Kontakt zum Seuchenbetrieb.

Unterdessen kritisierten Tierschützer und die NRW-Grünen die Massentötungen scharf. Derartige Keulungen seien „Seuchenbekämpfungsmaßnahmen von vorgestern“, sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel. Er forderte Impfungen statt Keulungsmaßnahmen: „Gerade im Fall der Schweinepest stehen Markerimpfstoffe zur Verfügung, mit denen die Schweine im Umkreis um einen Seuchenherd wirkungsvoll vor dieser Tierkrankheit geschützt werden können.“

Die Grünen wiesen auf wirtschaftliche Einbußen hin. „Nach zwei Monaten Schweinepest in NRW dürfte sich der wirtschaftlich Schaden inzwischen auf mehrere hundert Millionen Euro belaufen“, sagte der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Johannes Remmel. Zudem warf er Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg (CDU) vor, sich kritischen Fragen nicht zu stellen. „Offene Fragen, zum Beispiel nach Lücken bei der Diagnostik der Tierseuche, bleiben unbeantwortet.“

Ein Sprecher Uhlenbergs widersprach diesen Vorwürfen. „Der Minister hat bisher auch in den zuständigen Gremien des Landtags umfassend informiert, alle Fragen beantwortet und wird dies auch weiterhin tun.“
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