Goldruhm gepaart mit Schönheit, China hatte seinen Superstar. Und Liu Xuan verkörpert besonders anschaulich die Stärken der Chinesen: Ausdauer, Disziplin, Mut, Beweglichkeit und Willensstärke.
Mehr goldene Ergebnisse denn je erwartet China bei den Heim-Sommerspielen von seinen 400 Athleten. In Sydney schafften sie mit 28 Goldmedaillen den Aufstieg zur weltweit drittbesten olympischen Macht. Mit 32 goldenen lag die Volksrepublik vier Jahre später in Athen schon auf Platz zwei – nur noch vier Goldmedaillen hinter der Sportübermacht USA.
Nun, 2008, scheint der heimliche Traum der Wirtschaftsmacht China, im Sport die Nummer eins der Welt zu werden, zum Greifen nah. Dabei sind es aber gar nicht so sehr die Vorgaben der kommunistischen Führung in Peking, die Erfolgsdruck erzeugen. Vor allem Chinas Bürger wollen Gold sehen. Eine Umfrage ergab, der größte Wunsch der Chinesen ist, dass Nationalheld und 110-Meter-Hürden-Sprinter Liu Xiang in Peking als Erster über die Ziellinie fliegt.
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Die Erwartungen der Fans und die seelische Belastung seien bisweilen zu groß, beklagen bereits Athleten wie der Gewichtheber Shi Zhiyong öffentlich. Liu Xuan allerdings hat das nie so empfunden: „Für mich bedeutet Druck immer Motivation.“
Überhaupt seien Niederlagen im Sport oft wichtiger als Siege, sagt sie. Ihre Augen blicken ernst. Sie weiß, wovon sie spricht. Bereits als 17-Jährige war sie zu den Sommerspielen 1996 nach Atlanta geschickt worden. Doch sie patzte bei ihrem Olympia-Debüt am Stufenbarren und vermasselte der Mannschaft jede Medaillenchance. Das war der bitterste Moment in ihrem Leben, sagt Liu Xuan: „Und der ist tiefer verwurzelt in mir als der Jubel über die Medaillen.“
Doch über die Tränen, die sie in Atlanta vergoss, schäme sie sich nicht. „Sportler sollten ruhig Gefühle zeigen“, sagt Liu und wirft lachend den Kopf in den Nacken. Ihr Team zeigte damals allerdings wenig Mitgefühl, wollte sie aus dem Kader werfen. Sie setzte erst einmal mit dem Sport aus. „Atlanta war meine ganz große Niederlage.“ Ihre schmale Hand streicht über den Tisch im Restaurant, als wolle sie etwas beiseite schieben.
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