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21.04.2008 

In Pekings Innenstadt übt sich Redakteurin Astrid Oldekop in Tai-Chi. Foto: Astrid OldekopLupe

In Pekings Innenstadt übt sich Redakteurin Astrid Oldekop in Tai-Chi. Foto: Astrid Oldekop

Wir haben bitterarme Menschen besucht und neue Milliardäre getroffen. Wir haben die Kunstszene durchstöbert und sind Unternehmern auf Golfplätze gefolgt. Es kommen treue Mao-Fans ebenso zu Wort wie kritische Stimmen, die um ihre Freiheit bangen; Menschen, die Traditionen zu bewahren versuchen, ebenso wie solche, die als Abbild einer neuen Generation in einem Land des totalen Umbruchs gelten.

Wir haben mit vielen Chinesen stundenlang zusammengesessen – ob bei einer Tasse grünen Tee wie mit dem Maler Yue Minjun oder bei einer Dose Diät-Cola wie mit der ehemaligen Turnerin und Goldmedaillengewinnerin Liu Xuan. Und wir haben sie dort besucht, wo sie arbeiten: bei der morgendlichen Tai-Chi-Stunde im Park, im Bankenturm von Schanghai, zwischen den Häuserschluchten in Hongkong und im Staub und Lärm der Olympia-Baustelle in Peking.

Der weiteste Weg führte uns zu einem Dorfschullehrer in der Nähe der alten Kaiserstadt Xi'an. Stundenlang fuhren wir zunächst in einer wilden Holperfahrt über unbefestigte Straßen. Immer wieder mussten wir nach dem Weg fragen, als es keine Schilder mehr gab, an denen wir uns hätten orientieren können. Und dabei machten wir vor allem eine Erfahrung: Der Chinese gibt nicht gerne zu, wenn er die Antwort auf die Frage nicht weiß. Er sagt lieber „Fahrt links“ oder „vielleicht doch rechts“ statt „Ich weiß nicht“.

Unser Fahrer war zum Glück auch ein Chinese, und der hielt sich an das Sprichwort: „Drei Leute machen erst einen Tiger.“ Übertragen auf unsere Situation hieß das: Wenn dich mindestens drei Leute in dieselbe Richtung schicken, dann wird es wohl die richtige sein.

Unsere Fahrt endete am Fuße eines Berges. Dort wartete bereits ein etwa zwölfjähriger Schüler auf uns. Sein Lehrer hatte ihn geschickt, damit er uns den Weg weist. Knapp eine Stunde lang marschierten wir gemeinsam durch die schneebedeckte Berglandschaft – zur Dorfschule von Dong Gan.

Der lange Weg hat sich gelohnt. Wer einmal den Idealismus erlebt hat, mit dem Lehrer in solch abgelegenen Winkeln Chinas ihre Arbeit machen, versteht plötzlich die Kraft, die hinter Chinas Aufstieg steckt. Und wer einmal die fröhlichen Jungen und Mädchen in diesen Dorfschulen erlebt hat, wo es weder Schulbücher noch Heizung gibt, weder fließendes Wasser noch ein festes Dach über dem Klassenzimmer, der spürt die große Hoffnung, auf die so viele Chinesen ihre Zukunft bauen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Aber es gab auch Rückschläge

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