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21.04.2008 

Es war eine intensive China-Reise. Uns haben Milliardäre und Wanderarbeiter mit Tränen in den Augen gegenübergesessen, als sie über ihre Jugend während der Kulturrevolution erzählten. Diese ungeschminkte Offenheit hat uns immer wieder überrascht. Sie gibt jedem der „Gesichter Chinas“ ein besonderes, menschliches Antlitz.

Aber es gab auch Rückschläge, vor allem als im März die Tibet-Unruhen ausbrachen. Damit veränderte sich auch unsere Arbeit, waren bereits geführte Interviews mit kritischen Bürgern plötzlich aktueller als je zuvor. Weil wir sie nicht gefährden wollten, zögerten wir zunächst, haben uns aber dann entschieden, auch diese Stimmen zu Wort kommen zu lassen. Denn sie sind ein wichtiger Teil im heutigen China. Die Tibet-Krise ließ auch unseren Wunsch platzen, einen Parteifunktionär zu porträtieren. Nach langen Bemühungen sagten die Behörden den Termin ab – keine 24 Stunden vorher.

Mit solchen Problemen müssen Menschen wie Hu Shuli, Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins „Caijing“, jeden Tag umgehen. Die kritische Stimme des chinesischen Journalismus, die so gut wie nie Interviews gibt, gab dem Handelsblatt eine Chance. Höchstens 30 Minuten, ließ die energische Frau uns vorab wissen. Nach fast zwei Stunden ließ sie sich lachend auf dem Sofa zurückfallen: „So, jetzt wisst ihr alles.“

Auch der Immobilienmilliardär Pan Shiyi ist ein Beispiel dafür, dass China in vielen Bereichen bereits einen positiven Wandel vollzieht und auf dem richtigen Weg ist. „China ist viel bunter, als ihr denkt“, brachte es Pekings Baulöwe in unserem Interview auf den Punkt. Wir können das nur bestätigen.

So wie er sich mit seinen weißen Bürotürmen einst gegen die Anweisung der Stadt Peking durchsetzte, alle Gebäude hätten grau zu sein, so sollen auch die „Gesichter Chinas“ mit dem alten Schwarz-Weiß-Denken aufräumen, das noch zu oft die Außensicht auf das Riesenreich prägt. Darum hat das Autorenteam auch den Leitsatz nie aufgegeben: „Einmal sehen ist besser als hundertmal hören.“ Das gilt überall auf der Welt. Aber ganz besonders in einem Land wie China.

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